Ordination von Pfarrer z.A. Hannes Schott am 11.4.2010 in der Lutherkirche in Bayreuth
Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
Zu 1. Petr. 1, 3-9
Gnade sei mit Euch und Friede von Gott unserem Vater durch Jesus Christus unseren Heiland.
Amen
Liebe Gemeinde,
vor allem lieber Bruder Schott,
das Fest der Auferstehung Jesu Christi, das wir am vergangenen Sonntag gefeiert haben, strahlt in das heutige Fest hinein. Die Freude über Ihre Ordination und Ihren Dienst als Pfarrer verbindet sich mit der Freude über die Auferstehung Jesu Christi und das uns geschenkte ewige Leben.
Ich lese den Predigttext für diesen Sonntag, der an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Er steht im 1. Petrusbrief im 1. Kapitel, die Verse 3-9:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten
zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.
Dann werdet ihr auch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,
damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.
Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,
wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.
Eine Ordination ist ein Freudenfest. Ein junger Mann ist bereit, sein ganzes Leben in den Dienst der Verkündigung des Evangeliums zu stellen. Die Ordination gilt das ganze Leben lang auch über den Ruhestand hinaus. Sie ist die Berufung, Segnung und Sendung zum Dienst für Gott an den Menschen durch Wort und Sakrament in Gottesdienst und Gemeindeaufbau, Seelsorge und Unterricht und anderen Arbeitsfeldern. Wir verstehen die Ordination nicht als Weihe und doch weihen Ordinierte ihr Leben dem Dienst der Verkündigung des Evangeliums und wir vertrauen darauf, dass sie als Berufene, Gesegnete und Gesendete von Gott begleitet und gestärkt werden in ihrem Dienst und in ihrem ganzen Leben. Eine Ordination ist ein Grund zur Freude und ich freue mich sehr für unsere Kirche und für Sie, lieber Herr Schott, und glaube fest: alle hier im Raum freuen sich mit uns.
Sie, lieber Bruder Schott, sind in der Bayreuther Gegend, in Heinersreuth, aufgewachsen. Sie haben dort den Kindergottesdienst besucht und dann selbst gehalten; vor allem waren Sie seit Ihrer Konfirmandenzeit Kreuzträger bei vielen Beerdigungen.
Beerdigungen sind die Probe aufs Exempel, ob wir Christen nur das Kreuz vor uns hertragen, oder ob das Kreuz uns Menschen trägt, ob wir nur den Toten betrauern oder ob der Auferstandene selbst uns tröstet. Sie haben bei den Beerdigungen gemerkt, wie wichtig es ist, dass ein Geistlicher da ist, der dem Tod nicht das letzte Wort lässt, sondern von Christus spricht, der am Kreuz gestorben ist und vergibt, der auferstanden ist und verheißen hat: Wer an mich glaubt wird leben.
Wir sind „wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten“, so sagt es unser Predigttext. Offensichtlich haben der damalige Pfarrer und der Glaube an den Gekreuzigten und Auferstandenen in diesen Situationen für Sie ihre Glaub-Würdigkeit erwiesen, so dass Sie Ihr Leben und Ihr Berufsleben auf diesen Glauben aufbauen.
Nun werden Sie ordiniert am Sonntag nach dem Osterfest. Vermutlich wird Ihnen dieser Sonntag im Gedächtnis bleiben als Sonntag Ihrer Ordination. Die Erinnerung an Ihre Ordination wird sich unwillkürlich mit der Botschaft des Sonntags nach dem Osterfest verbinden.
Es ist eine Freudenbotschaft, die uns im Bibelwort dieses Sonntags entgegenstrahlt:
Wie viele Menschen haben keine Hoffnung in ihrem Leben.
Wir Christen haben eine lebendige Hoffnung, weil Jesus von den Toten auferstanden ist.
Viele Menschen denken, nach dem Tod sei alles aus.
Wir Christen glauben, dass das Schönste erst noch kommt. Unser Predigttext umschreibt es als unvergängliches, unbeflecktes und unverwelkliches Erbe, das im Himmel für uns aufbewahrt ist.
Viele Menschen haben kein Ziel für ihr Leben. Wir gehen auf ein Ziel zu: auf die Seligkeit unserer Seele.
Für viele Menschen ist der Tod das Ende aller Beziehungen.
Wir Christen haben Christus lieb und wissen, dass die Beziehung zu ihm, dem Auferstandenen, durch den Tod trägt. Wir werden mit denen, die uns im Glauben vorausgegangen sind, bei Christus sein.
Ein Freudenwort wird Ihnen auf Ihrem Weg als Pfarrer mitgegeben.
Der vorhin vorgetragene Predigttext hat nur den einen Haken, dass er in unserer Lutherbibel wohl an zwei Stellen nicht ganz richtig übersetzt worden ist und zwar sind das genau die zwei Stellen, an denen das Wort „freuen“ vorkommt. Die Übersetzung der Lutherbibel verlegt die Freude in die Zukunft. Ich zitiere: „Ihn (Christus) habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.“
Liebe Gemeinde, so sehr die Lutherübersetzung meine allerliebste ist, weil textnah und poetisch zugleich – das griechische Wort für freuen, steht im Urtext nicht im Futur, sondern im Präsens. Die Einheitsübersetzung trifft daher in diesem Fall eher, was der Schreiber des 1. Petrusbriefes meint: ich zitiere sie:
„Ihn (Christus) habt ihr nicht gesehen, und dennoch liebt ihr ihn; ihr seht ihn auch jetzt nicht; aber ihr glaubt an ihn und jubelt in unsagbarer von himmlischer Herrlichkeit verklärter Freude.“ Ihr jubelt in Freude – und zwar jetzt schon in der Gegenwart. Auch die andere Passage in unserem Predigtwort übersetzt die Einheitsübersetzung passender: „Gottes Macht behütet euch durch den Glauben, damit ihr das Heil erlangt, das am Ende der Zeit offenbart werden soll. Deshalb seid ihr voll Freude.“ Christen haben Grund, sich im Hier und Jetzt zu freuen, weil sie eine lebendige Hoffnung haben. Die Gegenwart ist auf der Erde voll Freude, weil die Zukunft im Himmel voll Seligkeit ist.
Das ist gerade keine Vertröstung auf das Jenseits, nach dem Motto: „Augen zu und durch“; oder „die Freuden im Himmel lässt uns die Trauer auf der Erde ertragen“. Nein, so gerade nicht. Die Freude wird uns nicht erst im Himmel erfüllen, sondern sie erfasst uns bereits hier und jetzt auf der Erde.
Falsch ist die Lutherübersetzung nicht. Wir gehen auf eine unfassbare Freude zu, doch – und das meint unser Predigtwort – diese unfassbare Freude erfasst uns schon im Hier und Heute.
Freilich verleugnet der Petrusbrief nicht die Belastungen und Leiden, die wir Christen nicht minder als andere Menschen ertragen müssen. Im Gegenteil. Für den Schreiber des Petrusbriefes waren sogar besondere Belastungen – gerade für die Christen – Realität durch drohende Christenverfolgungen. Trotzdem ist die Freude über das Heil für ihn überwältigend. Sie überwältigt auch das Leid. Sie ist wie ein unauslöschliches helles Feuer mitten in der Nacht: Das Heil wartet auf uns. „Deshalb – ich zitiere – seid ihr voll Freude, obwohl ihr jetzt vielleicht kurze Zeit unter mancherlei Prüfungen leiden müsst. Dadurch soll sich euer Glaube bewähren, und es wird sich zeigen, dass er wertvoller ist als Gold, das im Feuer geprüft wurde und doch vergänglich ist.“
Was sind unsere Prüfungen – die Lutherübersetzung gebraucht das Wort „Anfechtungen“? Krankheiten bei uns oder lieben Menschen, oder sogar Todesfälle in naher Verwandtschaft und Freundeskreis? Anfechtungen werden auch bei Ihnen, lieber Bruder Schott, in Ihrem Dienst und Leben kommen. Der Petrusbrief stellt nicht die Frage nach dem „Warum“ – die niemals weiterführt – sondern er beantwortet die Frage nach dem Wozu des Leides. In Anfechtung bewährt sich unser Glaube, wird tiefer und echter – und unsere Freude auch. Martin Luther vertritt sogar die These, der ich zustimme: „Keine Anfechtung zu haben ist die größte Versuchung.“ Denn in Anfechtungen lernen wir die Waffen des Glaubens zu gebrauchen. Darum:
Wer leidet, beginne Gott zu loben. „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke mein Licht, auf dich vertrau ich und fürcht´ mich nicht.“ Wie viele Menschen singen das in unseren Gottesdiensten in Situationen, in denen sie sich nicht freuen. Doch durch das Singen dieses Lobes beginnt Hoffnung und Freude in ihnen zu keimen. Denn Christus „unsere Hoffnung und unsere Freude“ ist da. Wir sehen ihn nicht, doch begleitet er uns. Je größer das Leid, desto hilfreicher das Gotteslob. Je verzweifelter die Lage, desto kräftigender die Freude über Christus.
Wer das noch nicht erfahren hat, schüttelt den Kopf. Doch auch Paulus hat es erfahren und will zu dieser Erfahrung hinführen. Daher schreibt er aus dem Gefängnis: „Freuet euch in dem Herrn alle Wege.“ Das ist das Besondere unserer Glaubensfreude, dass sie uns in jeder Situation geschenkt werden kann.
„Freuet euch in dem Herrn alle Wege und abermals sage ich: freuet euch“ ist Ihr Konfirmations- und Leitspruch, lieber Bruder Schott. Und nun ist eine Freudenbotschaft Ihr Ordinationspredigttext. Er verankert die Freude, zu der Paulus aufruft zum einen im Gotteslob. Unser Predigttext beginnt mit „Gelobt sei Gott. Nie entfaltet das Gotteslob eine größere Kraft als wenn wir Gott mitten im Leid loben.
Zum anderen verankert der Predigttext unsere Freude im Handeln Gottes an uns. Er, Gott hat uns wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung. Drittens verankert er uns in der lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu von den Toten. Christi Auferstehung von den Toten ist unser fester Hoffnungsanker. Denn wie Christus aufer-standen ist und lebt, werden wir leben. Uns steht die Seligkeit bevor. Das ist Grund zur Freude jetzt.
Lieber Bruder Schott, diese Freudenbotschaft ist Ihnen nun anvertraut Ihr ganzes Leben lang. Diese Botschaft wird Sie selbst trösten, wenn Sie andere mit ihr trösten. Sie wird Ihren Glauben nähren, wenn Sie andere zum Glauben einladen. Christus der Freudenmeister wird hereintreten in die Mitte, wenn Sie von ihm erzählen.
So wird es geschehen, dass – wie Paulus unseren Dienst beschreibt – wir nicht Herren sind über den Glauben der Menschen, sondern wir sind „Gehilfen ihrer Freude“. Dazu werden Sie heute berufen, gesegnet und gesendet.
Amen.
Und der Friede Gottes der höher ist als alle Vernunft bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem auferstandenen Herrn. Amen.