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Einführung von Dekan Günther Werner als Inhaber der Pfarrstelle Muggendorf verbunden mit der Funktion des Dekan für den Dekanatsbezirk Forchheim am 11.7.2010 in Muggendorf

Einführungsansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner

in der St.-Laurentius-Kirche zu Muggendorf

am 6. Sonntag nach Trinitatis, 11. Juli 2010

 

 

Einführungsansprache zum Wochenspruch Jes 43,1

 

 

 

Liebe Festgemeinde,

vor allem liebe Familie Werner und besonders lieber Günther Werner!

 

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

So lautet der Wochenspruch für den heutigen Sonntag und die mit ihm beginnende Woche.

Er ist Grundlage meiner Einführungsansprache.

 

„Fürchte Dich nicht!“ Das wäre nun nicht das erste Wort, das ich Dir, lieber Günther Werner, zur Amtseinführung zurufen würde, denn Du machst nicht den Eindruck, dass Du ein furchtsamer Mensch bist.

Außerdem bringst Du viele Erfahrungen und Fähigkeiten mit, sodass Du Dich vor der neuen Aufgabe nicht fürchten musst, und auch wir müssen keine Sorge haben vor der Zukunft mit Dir.

Du hast während Deines bisherigen Dienstes durch die verschiedenen Einsatzorte die Horizonterweiterung erfahren, die es braucht für ein Dekansamt. Du warst Vikar in Wolfratshausen, einer Diaspora-Gemeinde. Dann kam ein Einsatz im Dekanat Ansbach, das zu den evangelischen Stammlanden zählt. Diaspora und traditionelle evangelische Dörfer – beides ist im Dekanatsbezirk Forchheim zu finden.

Es war eine große Zumutung, dass Du als junger Pfarrer z.A. nach Bechhofen als Pfarramtsführer entsandt wurdest, in eine Gemeinde mit 2700 Gemeindegliedern, zwei evangelischen Kindertagesstätten, einer Seniorenwohnanlage und einer ökumenischen Sozialstation. Doch Du bist mit den Herausforderungen gewachsen und 12 Jahre lang geblieben.

Diese gewachsene Leitungskompetenz, Dein Bezug zur Jugendarbeit und Deine Dir eigene zupackende, unkomplizierte, jugendliche Art haben dazu beigetragen, dass Du im Jahr 1997 als Landjugendpfarrer für den Jugendverband der Evangelischen Landjugend in Bayern mit 8000 Mitgliedern und ca. 500 ehrenamtlich Leitenden berufen wurdest und zugleich zum Leiter der Landvolkshochschule Pappenheim mit seinen ca. 50 Angestellten und weiteren 30 Angestellten in der Jugendwerkstatt Langenaltheim.

Nicht zu vergessen die Kompetenzen, die man sich notwendig erwirbt, wenn man 27 Jahre verheiratet ist und bleibt und drei Kindern ein Vater ist. In der Familie lernt man meist mehr als an jedem anderen Ort sich einzufügen und einzustecken. Eine unerlässliche Voraussetzung für ein Leitungsamt.

Diese vielseitigen Erfahrungen werden Dich nicht vollkommen schützen vor Furcht in neuen Herausforderungen, aber sie haben zweifellos ein hilfreiches Maß an Standfestigkeit reifen lassen.

 

Doch nun heißt der Wochenspruch nicht: „Fürchte Dich nicht, denn Du hast viele Erfahrungen und Kompetenzen“, sondern:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein!“

Da wird eine ganz andere Ebene angesprochen. Gotteskinder sind Erlöste, auch erlöst aus dem Wahn, dass wir ein tragendes Selbstbewusstsein gewinnen würden aus dem Wissen um unsere Kompetenzen.

Weh dem Menschen, der aus sich selbst sein Selbstbewusstsein gewinnt. Wenn er in eine große Krise kommt, kann es ganz und gar in sich zusammenbrechen. Wenn wir meinen, ein tragendes Selbstwertgefühl bekommen zu können aus dem, was wir tun und schaffen, dann kommen wir in die große Versuchung, immer mehr tun zu müssen, uns immer wieder durchsetzen zu müssen, uns immer wieder Bestätigung durch andere zu ersehnen; denn die menschliche Suche nach Selbstbestätigung ist unersättlich.

Diese psychische Dynamik ist Motor des Leistungswillens sehr vieler Menschen. Er nützt der deutschen Wirtschaft, Politik und Kirche auf den ersten Blick. Doch auf den zweiten Blick wird klar: Stabile Leitungspersönlichkeiten gewinnt man mit dieser Dynamik nicht. Menschen, die in ihrem Selbstbewusstsein abhängig sind von ihrer eigenen Leistungsfähigkeit und der Bestätigung durch andere, sind eben abhängig.

Ich kenne nur einen tragfähigen Weg zur Freiheit aus dieser Abhängigkeit, zu hören, was Gott sagt: „Ich habe dich erlöst, ich habe dich mit deinem Namen gerufen. Du bist mein!“ Wirklich tragendes Selbstbewusstsein kommt nur durch ein Gottesbewusstsein, kommt aus der Beziehung zu Gott. Gott hat mich bei meinem Namen gerufen, kennt mich, hat mich erwählt, sein Eigentum zu sein. Er sagt: „Du bist mein. Du gehörst nicht anderen Menschen mit ihrer Meinung über Dich. Du gehörst nicht einmal Dir mit Deiner Meinung über Dich.“

Wenn wir das lernen, dass wir uns nicht selbst gehören, sondern ganz und gar Gott, der uns unverbrüchlich liebt, werden wir uns neu geschenkt. Wir werden frei zum aufrechten Gang im Gelingen und im Scheitern. In diesem Sinne: „Fürchte Dich nicht“, lieber Günther Werner. Du und wir Christen hier im Kirchenschiff sind Gottes Kinder, von ihm geliebt und geachtet, ob wir unsere beruflichen oder familiären Ziele erreichen oder nicht, ob wir im Alter bei klarem Verstand oder mit Morbus Alzheimer behaftet sein werden, sodass wir unseren Namen nicht mehr kennen. Gott hat uns bei unserem Namen gerufen und wird uns immer kennen und lieben.

 

Wenn wir wissen, dass unser Leben Gott gehört, dann verändert das auch unser Miteinander im Dekanat und in der Gemeinde. Wir gehören Christus. Christus hat in der Taufe „Ja“ zu uns gesagt. Zum einen verbindet er uns auf besondere Weise. Wir gehören als Glaubensgeschwister zusammen.

 

Zum anderen lässt es jeden auch auf besondere Weise frei. Denn der andere gehört Gott, nicht mir.

Natürlich ist Günther Werner hier im Dekanatsbezirk groß geworden. Er war mit vielen auf demselben Gymnasium in Forchheim und ist manchem in besonderer Erinnerung als Klassen- und Schulsprecher. Herr Professor Reinhard Kühns war sein Jugendgruppenleiter und der Landessynodale Robert Glenk war wiederum in seiner Jungschar. Auch die Landjugend im Dekanatsbezirk freut sich, dass ausgerechnet Pfarrer Günther Werner hier Dekan wird, denn er kennt das Eigenleben der Landjugend und wird ihr ein vertrauter Ansprechpartner und Impulsgeber sein. Natürlich ist da eine Verbindung gewachsen und das ist auch gut und schön so. Und so dürfen alle im Dekanatsbezirk fröhlich sagen: „Das ist unser neuer Dekan“ – und ich bin sicher, dass sich Dekan Werner über dieses Zeichen der Vertrautheit freuen wird, das in diesem Wörtlichen „unser“ liegt. Auch ich freue mich immer, wenn jemand mich vorstellt und sagt: „Das ist unsere Regionalbischöfin.“ Verbundenheit ist etwas Wunderschönes und muss und soll gerade in der Kirche besonders gepflegt werden.

 

Es schmälert nicht die Verbundenheit, wenn wir zugleich einander völlig frei lassen: Wir gehören zueinander, aber wir gehören nicht einander. Wir gehören Gott. „Du bist mein.“ Das ist die Grundlage unserer großen Freiheit als Christen, dass wir Christi Eigen sind und niemandes sonst.

 

Manche charismatischen Persönlichkeiten, seien es Pfarrer oder Pfarrerinnen, Politiker oder Politikerinnen entwickeln eine große Bindekraft gegenüber ihrer eigenen Person. Das kann niemals unser Ziel sein. Unsere Verkündigung zielt nicht darauf, dass die Menschen uns anhimmeln, sondern, dass Sie zum Vater im Himmel beten und ihm gehören.

Lieber Günther Werner, als Pfarrer und Dekan hast Du eine geistliche Leitungsaufgabe. Solche Leitung geschieht zu allererst durch die Verkündigung des Wortes. Es wird Deine wichtigste Aufgabe sein, dass die Menschen im Dekanatsbezirk und in Muggendorf durch Deine Predigt und Seelsorge zutiefst getröstet und befreit werden, weil Du Ihnen sagst, was Du selbst gehört hast:

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“

Amen.

 

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