Eröffnung der Karikaturenausstellung "Ach du lieber Gott" am 13. April 2010 im Klinikum Bamberg
Sehr geehrter Herr Erzbischof Dr. Schick,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Seitz,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Keim,
sehr geehrte Mitglieder der Vorbereitungsgruppe,
sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,
unsere beiden Kirchen sind flott und fröhlich unterwegs zum 2. Ökumenischen Kirchentag. Das Erzbistum Bamberg investiert wahrnehmbar viel Zeit und Liebe in die Vorbereitung des Kirchentags; und unter dem Titel „Auf dem Weg zum 2. Ökumenischen Kirchentag“ hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern eine ökumenische Initiative gestartet, in die sich auch die Karikaturenausstellung einfügt, die wir heute eröffnen.
Diese Initiative hat das Ziel, den Ökumenischen Kirchentag – kurz ÖKT – bereits auf dem Weg dorthin zum Thema zu machen und in die Gemeinden hineinzutragen um vor Ort Ökumene zu pflegen und zu vertiefen. Sie lädt ein, Projekte und Veranstaltungen auf dem Weg zum ÖKT anzustoßen und zu fördern. Die Projekte sollen
- a.) überkonfessionell sein, also ökumenisch geplant und durchgeführt werden. Sie sollen
- b.) überregional sein, also in einem größeren Verbund vorbereitet werden. Und sie sollen
- c.) nachhaltig sein, also längere Zeit weiterwirken und nachwirken.
Unsere Karikaturenausstellung erfüllt diese Kriterien: Sie ist
- a.) ökumenisch getragen vom Erzbistum Bamberg und den Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreisen Bayreuth und Nürnberg. Sie ist
- b.) überregional, weil sie im großen Verbund zweier Kirchenkreise und einer Erzdiözese und zusammen mit Fachleuten außerhalb der Kirche vorbereitet wurde. Sie ist
- c.) nachhaltig, weil die Ausstellung zwar erst einmal Werbung für den ÖKT macht, aber dann nach dem ÖKT bewusst auf Wanderschaft durch die Region und Gemeinden gehen wird.
- Und viertens – auch wenn dieses Kriterium nicht gefordert war – ist diese Ausstellung innovativ, weil es meines Wissens noch kein Ausstellungsprojekt gab, das die Beziehung der beiden großen christlichen Kirchen zueinander so charmant und augenzwinkernd, aber manchmal auch etwas bissig dargestellt hat, wie es eben nur Karikaturen können.
An dieser Stelle danke ich der Vorbereitungsgruppe sehr herzlich:
Den Mitarbeitern des Referats Projektarbeit des Erzbistums, Herrn Michael Kleiner und Herrn Roland Baierl,
der Referentin der Nürnberger Regionalbischöfe, Frau Dr. Maria Stettner,
meinem ehemaligen Referenten Matthias Weigart und meinem jetzigen Referenten Michael Thein.
Auch Herrn Josef Gründel vom Ökumenereferat des Erzbistums, Herrn Dekan KR Otfried Sperl als Ökumenereferent des Kirchenkreises Bayreuth und Pfarrer in Ruhe Christoph Jäschke möchte ich eigens erwähnen.
Die Ausstellung ist nur möglich geworden durch die Unterstützung und den Sachverstand von Prof. Dr. Gerhard Seitz, der uns vorhin begrüßt und eingeführt hat, und von Prof. Dr. Walther Keim, den wir im Anschluss hören werden zum Thema „Sticheln und Stricheln – zum Verhältnis von Kirche und Karikatur“.
Ökumene ist in unserer Region lebendig erfahrbar. Vieles ist selbstverständlich geworden; manches schon seit Jahrzehnten: Ökumenische Gottesdienste, Ökumenische Einweihungsfeiern, Wallfahrten, Jakobuspilgerwege, Gesprächs- und Bibelkreise und in drei Tagen werden Erzbischof Dr. Schick und ich s.c.j. gemeinsam die Woche für das Leben im Klinikum Rehau eröffnen. Der Wille zur Ökumene ist erfahrbar und trägt.
Auch auf dem Weg zum 2. ÖKT läuft die Zusammenarbeit zwischen verschiedensten Mitarbeitenden beider Konfessionen – insbesondere auch zwischen den Referenten der drei Standorte Bamberg, Bayreuth und Nürnberg – in bewährter Weise und mit kurzem Draht zueinander. So wurden auf dem Weg zum 2. ÖKT erstaunlich viele Projekte auf die Beine gestellt: ein Ökumenischer Kalender, eine Vorlage für einen Ökumenischen Taufgedächtnisgottesdienst, diese Karikaturenausstellung und selbstverständlich werden wir auch in München beim 2. ÖKT einen gemeinsamen Stand haben auf der so genannten Agora. Dort wird dann auch die Karikaturenausstellung zu sehen sein und viele der beteiligten Mitarbeitenden werden ebenfalls anwesend sein.
Doch noch nicht alles ist gut im Verhältnis zwischen unseren Konfessionen. Wir alle schütteln dann und wann den Kopf oder wiegen ihn sogar betrübt, wenn wir die Hindernisse und Stolpersteine im ökumenischen Miteinander sehen. Manchmal decken wir Reibereien und Missverständnisse in der Ökumene auch liebevoll zu, weil wir einander nicht schaden wollen. Denn wir Ökumeniker – ich hoffe ich darf alle Anwesenden so bezeichnen – haben verstanden, dass wir in dieser Welt unserem Auftrag der Verkündigung des Evangeliums nur gelingend nachkommen können, wenn wir gemeinsam Christus nachfolgen, der uns zur Einheit untereinander gerufen hat. Darum haben Ökumeniker kein Interesse an Polarisierung, kein Interesse an einer Vertiefung der Unterschiede, kein Interesse am schlechten Reden übereinander – und kein Interesse, über die andere Konfession spöttisch zu lachen.
Wenn, dann wollen wir miteinander Lachen und Schmunzeln. Dass wir das inzwischen gemeinsam tun können, ist solch ein gutes Zeichen! Wir können uns und unser Miteinander gemeinsam auf´s Korn nehmen. Und mancher Schuss trifft ins Schwarze – auch unserer eigenen Amtskleidungen.
Wir haben gemeinsam Karikaturen ausgewählt, weil wir gemeinsam heraus wollen aus Sackgassen, aus Selbstverliebtheit und Selbstgenügsamkeit. Manchmal tut der Ökumene eben nicht nur das liebevoll Zudecken gut, sondern auch das Aufdecken – eben wenn es in Liebe zur anderen Kirche und zur Ökumene geschieht.
Wie etwa bei der Karikatur von Johann Mayr. Vier Herren, die augenscheinlich die evangelisch-lutherische Kirche, die römisch-katholische Kirche, die orthodoxe Kirche und eine Freikirche vertreten, stehen gemeinsam vor einem Berg. Vier getrennte Wege führen nach oben und vereinigen sich beim Kreuz Christi. Dem evangelisch-lutherischen Pfarrer wird in den Mund gelegt: „Oh Herr, gib uns ein Zeichen, welches der rechte Weg sei!“ Die Betrachtenden sehen auf einen Blick: Wenn die vier zum Kreuz Christi unterwegs sind, schlagen sie unwillkürlich den richtigen Weg ein, auch wenn der jeweilige Pfad sie etwas anders führt; und sie werden sich dort treffen. „Ach du lieber Gott, lass sie doch den Weg zum Kreuz Christi gehen“ – so möchte mancher seufzen, wenn er diese Karikatur sieht.
„Ach du lieber Gott“, so ist die Karikaturenausstellung überschrieben. Verstehen wir diesen Titel doch – nach dem Schmunzeln miteinander – als den Anfang eines Gebets für unser Miteinander. Ich wünsche Ihnen viel gemeinsames Schmunzeln und Lachen, Beten und Besinnen bei dieser Ausstellung, auf dem Weg zum 2. ÖKT und erst recht dort.
Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin