Verabschiedung von Dekan Heinz Haag in Muggendorf
Verabschiedung von Dekan Heinz Haag am 14.3.2010 in Muggendorf. Abschiedsrede
Sehr geehrter Herr Landrat Glauber!
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Stumpf, Herr Bürgermeister Taut und weitere Gemeindeoberhäupter!
Sehr geehrter Herr Regionaldekan Mons Holzschuh
Sehr geehrtes Präsidium der Dekanatssynode Herr Philipp und Herr Glenk!
Sehr geehrte Vertrauensfrau Frau Albert-Vogel!
Sehr geehrte Festgäste, liebe Schwestern und Brüder in Christus!
Vor allem aber sehr geehrtes, liebes Dekansehepaar Haag!
„Dekansehepaar“ – diese Anrede ist eigentlich nur üblich, wenn Mann und Frau sich die Dekansstelle als Theologenehepaar teilen. Das war bei Ihnen nicht der Fall. Doch Sie, liebe Frau Haag, haben in einer Weise Freud und Leid, Last und Lust der Arbeit Ihres Mannes geteilt und dabei seinen Dienst mitgetragen, unterstützt und gefördert, dass mir zu Beginn meiner Verabschiedungsrede diese formale Unkorrektheit gestattet sei. Die Anrede passt zu unserem Gefühl und unserer Erfahrung mit Ihnen beiden.
Das musste gesagt sein, bevor ich nun insbesondere auf Ihr Berufsleben, lieber Bruder Haag, eingehe.
Sie, lieber Herr Dekan Haag, kommen aus einem Elternhaus, in dem tägliche Hausandachten und der sonntägliche Gottesdienstbesuch üblich waren. Die Bibel wurde für Sie lebensleitendes Wort, durch das Gott in Ihr Leben hinein spricht. Darum möchte ich beim Rückblick auf Ihr Berufsleben an drei der fünf Bibelworte entlang gehen, die Ihnen zu Ihrer Ordination zugesagt wurden.
Das Wort aus 2. Kor 5, 19f., das Ihnen Landjugendpfarrer Geißendörfer mit auf den Weg gegeben hat, lautet:
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünde nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott.“
Die Versöhnung in Christus war Kern Ihrer Botschaft. Der gekreuzigte Christus war Gegenüber und Inhalt Ihrer Predigt zugleich. Er war Ihr Gegenüber, denn bei jeder Predigt hier in Muggendorf hatten Sie ihn durch das Kruzifix gegenüber der Kanzel vor Augen. Er predigte zuerst Ihnen, tröstete Sie, ermahnte und ermutigte Sie, sodass Sie ihn predigen konnten.
Bevor Sie und Ihre Frau zusammen mit meinem Mann und mir im vergangenen Jahr eine herrliche Spitztour per Kanu auf der Wiesent machten, waren wir bei Ihnen im Gottesdienst.
Ihre Verkündigung war Evangelium. Sie sprachen von dem Glück und der Gnade, dass wir Sünder sein dürfen, dass wir unsere Fehler vor Gott und Menschen nicht verbergen müssen, sondern zu ihnen stehen können, weil Christus uns vergibt und uns versöhnt. Unter dem Kreuz gemeinsam Sünder sein dürfen, verbindet Regionalbischöfin und Dekan, verbindet Dekan und alle Hörenden. Eine der fröhlichsten befreiendsten Predigten über die Sünde, die ich je gehört habe. Im besten Sinne biblisch, evangelisch, lutherisch.
Als Botschafter an Christi Statt und voll Vertrauen auf die Wirkung des Wortes, war Ihnen die Verkündigung die erste und wichtigste Form Ihrer Leitung.
An allen drei Wirkungsorten hat sich die Bitte erfüllt, die Dekan Sommer bei Ihrer Ordination mit Handauflegung sprach:
„Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich. Ich habe gesagt zu dem Herrn: Du bist ja der Herr! Ich weiß von keinem Gut, außer dir.“ Psalm 16, 1.2.
Im Jahr 1975 wurden Sie als Pfarrverwalter im Vorbereitungsdienst der Kirchengemeinde Schornweisach zugeteilt. Dort blieben Sie auch nach dem Absolvieren Ihres Examens und Ihrer Ordination bis zum Ende August 1988.
Danach wurden Sie gebeten, nach Schnodsenbach-Scheinfeld zu kommen, denn Sie predigten nicht nur Versöhnung. Sie wirkten auch versöhnend; heute sagt man dazu, ausgleichend und integrativ. Sie verstehen und sprechen eben die Sprache pietistischer und volkskirchlicher Christen durch ihre eigene Herkunft, gute lutherische Theologie und ihre große menschliche Wärme. Diese Kombination ist für unsere Kirche unbezahlbar.
So war es auch kein Wunder, dass man Ihnen zutraute Dekan zu werden. Nach knapp 11 Jahren in Schnodsenbach-Scheinfeld wurden Sie am 1.5.1999 Dekan des Dekanatsbezirks Forchheim mit Sitz Muggendorf und Pfarrer für die Kirchengemeinde Muggendorf.
„Bewahre mich Gott“. Sie haben viel Verantwortung inne gehabt, nicht nur als Dekan. Auch in den anderen beiden Gemeinden hatten Sie die Pfarramtsführung. Vielen ist nicht bewusst, wie ausgesetzt der Pfarrberuf ist – trotz gemeinsamer Verantwortung mit dem Kirchenvorstand – und das gilt für das Dekansamt umso mehr. Zwar können wir durch gesunden Menschenverstand und das Herz auf dem rechten Fleck viele Klippen umschiffen. Doch manche Felsen knapp unter der Wasseroberfläche sind gar nicht sichtbar. Wir merken sie erst, wenn wir aufgelaufen sind. Konflikte, Skandale, Unglücke können über uns kommen und manchmal ist uns das Steuer aus der Hand genommen. Das ist nie geschehen. Sie empfinden es dankbar als Bewahrung durch Gott, dass Ihnen solche Erfahrungen weitestgehend erspart blieben. Dafür bin ich mit Ihnen dankbar.
„Ich weiß von keinem Gut, außer dir.“ Menschen, die in der Gottesbeziehung ruhen, sind zwar nicht vor allem bewahrt, aber immer in allem bewahrt. Das haben Sie erfahren in all den Schwierigkeiten und Anstrengungen, die dann doch zu meistern waren; und Sie haben sie gemeistert, eben mit dem Herrn im Herzen und dieser wunderbaren Frau an der Seite.
Lieber Bruder Haag, Sie sind nicht nur ein Mensch mit Herz. Sie sind auch ein beherzter Mensch. Dazu fügt sich der dritte Spruch, der Ihnen durch Pfarrer Kinkelin mit auf den Weg gegeben wurde:
2. Tim 1,7.: „Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Furchtlos und beherzt muss man in gewisser Weise schon sein, wenn man den Hof der Eltern übernehmen soll, dazu die landwirtschaftliche Meisterprüfung ablegt (1971) und dann doch der Berufung folgt, Pfarrer zu werden, angestoßen durch Pfarrer Roser in Pappenheim. Der Weg war anders vorgezeichnet, zumal Ihre Frau ebenfalls Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft war. Sie waren beide beherzt, als Sie dem Ruf in den Dienst am Wort folgten und nach Neuendettelsau, dem Ort der Pfarrverwalterausbildung, zogen. Immerhin war vor dem Umzug ihr erstes Kind schon geboren und vor dem zweiten Examen kündigte sich das dritte Kind unverkennbar an. Den Weg als Pfarrverwalter zu gehen ist immer ein Lebenswagnis für die ganze Familie. Doch es war wohl, so meine ich es zu erkennen, ein Weg auf dem Sie beide geführt waren durch Gottes Geist, den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Dass es ein Weg vom Pfarrverwalter zum Dekan werden wird, hätten Sie sich beide damals sicher nicht träumen lassen.
Doch gerade Ihr Sinn fürs Praktische hat Ihrem Dienst ein besonderes Gepräge gegeben. In Schornweisach wurde das ehemalige Schulhaus zum Dekanatsjugendhaus umgebaut, das Ihre Frau mit der ihr eigenen Kompetenz als Selbstständige bewirtschaften konnte. Die dem Dorf zusetzende Flurbereinigung ging durch ihre landwirtschaftlich-fachliche und pastorale Begleitung zugleich ohne jeden Konflikt vonstatten. In Scheinfeld haben Sie durch den Bau von 32 Häusern Aussiedlerfamilien zum Eigenheim verholfen und durch Gründung eines Bauhofs etlichen Langzeitarbeitslosen zur Arbeit. Solch ein Engagement ist außergewöhnlich. Ihr Gemeindeaufbaukonzept war von Anfang an bis heute ein missionarisch-diakonisches.
Christus war die Mitte Ihrer Versöhnungsbotschaft, der Vater im Himmel hat Sie in allem und vor vielem bewahrt und der Heilige Geist ließ Sie in Furchtlosigkeit und Besonnenheit, mit Kraft und Liebe gestalten.
Liebes Ehepaar Haag, wir sind in der Passionszeit, doch am Sonntag Lätare – Freut euch. Ich freue mich in keiner Weise, dass Sie gehen, denn ich habe Sie seit dem ersten Augenblick der Begegnung ins Herz geschlossen. Das ist auch kein Wunder, denn Herzlichkeit ist Ihre Gabe. Doch sie ist bei Ihnen beiden kombiniert mit Kompetenz und Stil. Sie waren präsent in Stadt und Land. Unsere evangelische Kirche hatte durch Sie beide einen Namen und gewann an Bedeutung. Sie haben Wärme und Nähe ausgestrahlt und doch die nötige Haltung und Distanz gewahrt, die das Amt braucht. Glaubwürdigkeit des Lebens und lebendige Verkündigung des Glaubens gehörten bei Ihnen zusammen.
Heute ist Passionszeit und Sonntag Lätare. Das passt zu unseren Gefühlen, wenn wir Sie verabschieden. Wir sind traurig, dass Sie beide gehen, doch freuen wir uns über den Segen, den Gott durch Sie gewirkt hat.
An drei Bibelsprüche habe ich erinnert im Blick zurück.
Drei Geschenke gebe ich Ihnen mit auf den Weg in die Zukunft nach Marktbreit.
Lieber Herr Haag, Sie haben Ihr Amtskreuz zurückgegeben, doch Ihre Ordination gilt weiter. So überreiche ich Ihnen das Ordinationskreuz.
Liebe Frau Haag, Ihr Pfarrhaus und Dekanshaus war ein gastfreundliches Haus und Sie eine vollendete Gastgeberin. Viele Begegnungen in Ihrem Haus wurden durch Ihre Wärme und Kompetenz zu einer runden Sache und öffneten wiederum Ihrem Mann Türen. Darum der Türkranz für Sie für Ihr neues Heim.
Liebes Ehepaar Haag, die Idee kommt von mir, aber die meiste Arbeit hat Pfarrer Bischoff mit dieser Idee gehabt: Ich hoffe, Sie beide freut das Fotobuch mit Bildern von meiner kurzen Visitation im Dekanatsbezirk Forchheim. Mögen Sie das gemeinsame Leben als Dekansehepaar in guter Erinnerung behalten. Auf dem Titelbild hält Bruder Haag den Schirm über mich. Möge Gott Sie beide in Zukunft beschirmen.