Öffentlicher Wettbewerb zur Suche eines Mottos für den 360. Friedensdank im Jahr 2011 in Meeder
Redebeitrag von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner
anlässlich der Bekanntgabe des Mottos und der Gewinner
des öffentlicher Wettbewerbs zur Suche eines Mottos
für den 360. Friedensdank im Jahr 2011 in Meeder
Bekanntgabe des Mottos und der Gewinner des Wettbewerbs
am 2. Februar 2010 um 19 Uhr im Gemeindehaus „Alte Schule“ der Kirchengemeinde St. Laurentius in Meeder
Sehr geehrter Herr Landrat Busch,
sehr geehrte Herren Bürgermeister,
sehr geehrter Herr Peratoner von der Evangelischen Funkagentur,
sehr geehrter Herr Pfarrer Lübke, Organisator des Wettbewerbs und des Friedensdankfestes.
Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wettbewerb!
Sehr geehrte Damen und Herren und Kinder!
Gerne bin ich heute Abend zu Ihnen gekommen. In Dekanatsbezirk Coburg war ich seit meinem Dienstbeginn als Regionalbischöfin schon oft, doch in Meeder zum ersten Mal.
Dass dieser erste Besuch mit dem zentralen Profil dieser Kirchengemeinde St. Laurentius zu tun hat, trifft sich gut. Der „Friedensdank“ ist das Aushängeschild der Kirchengemeinde nach außen, wenn man bedenkt, dass www.friedensdank.de ganz bewusst als Name der Internetseite dieser Gemeinde gewählt wurde. Und natürlich spielt der Friedensdank auch für das Gemeindeleben selbst eine große Rolle. Schließlich findet das Gemeindefest der Kirchengemeinde jedes Jahr am 19. August als Friedensdankfest statt.
Der Friedensdank ist aber nicht nur eine Sache der Kirchengemeinde, sondern auch der politischen Gemeinde; er ist aber auch nicht nur eine Sache von Meeder, sondern von der ganzen Region des Coburger Landes – schon von der Gründung des Friedensdankes an.
Mit dem Thema Frieden sind wir als evangelische Kirche gerade sowieso im angeregten Gespräch mit den politischen Kräften im Land: Der Friedensauftrag der Kirche und der Friedensauftrag des Staates sind durch die Neujahrspredigt von Bischöfin Margot Käßmann als Ratsvorsitzende der EKD in der öffentlichen Diskussion.
In der vergangenen Woche (genauer am 25. Januar) hat die EKD aufgrund dieser Diskussion ein „evangelisches Wort zu Krieg und Frieden in Afghanistan“ veröffentlicht, das manche Irritation ausräumen kann und zum Frieden in der Auseinandersetzung über das Thema Frieden beiträgt. Es ist notwendig – im wahrsten Sinne des Wortes –, dass der Frieden im Gespräch ist und bleibt. Die Neujahrsansprache der Ratsvorsitzenden hat dazu beigetragen, dafür gebührt ihr Respekt, wie immer wir über die Afghanistanpolitik denken. Doch auch der Friedensdank in Meeder trägt dazu bei, den Frieden als Thema wach zu halten – und dies seit 360 Jahren.
In Meeder aber setzen wir einen Akzent, der wirklich etwas Besonderes ist und den wir auch in der gegenwärtigen Diskussion zu Gehör bringen können: den Dank! Es gehört zu meinen Grundüberzeugungen, dass das „Danken“ eine höchst wirksame Weise ist, zum Nachdenken und zur Verhaltensänderung anzuregen. Der Dank bringt auf fröhliche Weise zum Ausdruck, was wesentlich für unser Leben ist und erinnert ohne erhobenen Zeigefinger daran.
Wie dankbar können wir sein, dass wir in Deutschland schon 65 Jahre in äußerem Frieden leben. Wie viel Leid ist uns, die wir hier sitzen, erspart geblieben, uns allen. Der Dank öffnet unseren Blick für die alltäglichen Nöte und macht uns sensibel dafür, dass notwendige Veränderungen so lange brauchen. Der Dank lässt uns daran denken, dass vielen Menschen in Afghanistan seit Jahren fehlt, was sie brauchen: angstfreies Leben, medizinische Versorgung, Bildung und vieles mehr. Dank für den eigenen Frieden fördert tätiges Erbarmen für Menschen, die ihn entbehren.
Friedensdank: Das feiert die Pfarrei von Sankt Laurentius in Meeder seit dem Jahr 1651 in großer Treue. Nach dem Westfälischen Frieden im Jahr 1648, der dem schrecklichen 30-jährigen Krieg beendete, setzt Herzog Friedrich Wilhelm II. das Coburger Friedensdankfest ein. Fast drei Jahrhunderte lang haben es die Gemeinden des Herzogtums begangen.
Aber nur Meeder und seine Choradstanten bewahrten die Tradition über die Zeit des 1. Weltkriegs hinaus – als „Friede“ nach der von vielen so empfundenen demütigenden Niederlage zum Schimpfwort geworden war – ja sogar durch die Hitlerzeit hindurch, als der Krieg das Mittel der Wahl schien.
Landrat Dr. Klaus Goebe war es, der anregte, den 320. Friedensdank im Jahr 1971 wieder als Coburger Friedensdank auflegen zu lassen. Da Meeder als einzige Gemeinde diese Tradition bewahrt hatte, bewog er den damaligen Kirchenpfleger der Kirchengemeinde, Helmut Hofmann, der im Landratsamt angestellt war und gleichzeitig Bürgermeister der Gemeinde Meeder war, dass Meeder für Stadt und Landkreis das Fest im großen Rahmen ausrichtet. Seither finden alle 10 Jahre die großen Friedensdankfeste in Meeder und Umgebung statt.
Nun steht im Jahr 2011 wieder solch ein großes Friedensdankfest an, das 360. Dafür braucht es ein griffiges Motto, denn von der Friedensdekade im November dieses Jahres bis hin zum Friedensdank im August 2011 soll sich ein großer Bogen von Veranstaltungen spannen. Dazu bedarf es eines guten bündelnden und zugleich anregenden Mottos. Ich meine, wir haben es gefunden. Noch verrate ich es nicht. Etwas Spannung muss sein.
Um den Friedensdank schon vor dem 19. August ins Gespräch zu bringen, haben wir einen öffentlichen Wettbewerb ausgeschrieben, um ein Motto für den 360. Friedensdank im Jahr 2011 zu finden. Und natürlich hatten wir die Hoffnung, dass wir durch die Ausschreibung auch zu einem griffigen Motto kommen, das uns leitet.
Insgesamt 17 Vorschläge wurden bis zum Eingabeschluss am 15. Januar eingereicht. Die Einsender und Einsenderinnen stammen zum Teil aus dem Bereich der Gemeinde Meeder, zum Teil aus dem gesamten Landkreis. Es sind Erwachsene, auch ältere Menschen darunter, eine Konfirmandin und ein Konfirmand, die gemeinsam einen Vorschlag mit eingereicht haben, auch Schülerinnen und Schüler der 4. Klasse der Volksschule Meeder, sowie eine Ortsgruppe einer politischen Vereinigung (Frauenunion Meeder). Einzelne Vorschläge waren sogar inhaltlich ausgeführt und zum Teil sogar mit einem Vorschlag für ein Logo verbunden.
„Um Gottes Willen – Frieden!“ war das Motto im Jahr 1991
„Frieden – Gott sei Dank!“ im Jahr 2001
und 2011
Nun will ich Sie nicht mehr länger auf die Folter spannen: Das Motto heißt: „Frieden feiern“
Es stammt von Jana Baudler. Sie ist Schülerin der Klasse 4b der Volksschule Meeder und stammt aus dem Meederer Ortsteil Ottowind.
Weitere Vorschläge waren in der engeren Auswahl:
„Friede – was sonst?“ und
„Frieden – hier und überall!“
Das sind die drei Plätze, für die ein Preis vorgesehen war.
Es bedarf aber einer Sonderwertung. Es gibt einen besonders liebevoll ausgearbeiteten Entwurf einer Schülerin der Klasse 4b der Volksschule Meeder, Alina Hörner. Sie hat für jeden Buchstaben des Wortes FRIEDEN einen Begriff gefunden, der für sie mit Frieden zu tun hat. Sie hat den Frieden „durchbuchstabiert“. Ihr Vorschlag ist nicht als griffiger, werbewirksamer Slogan geeignet. Doch er soll hier trotzdem erwähnt werden, weil er so gut deutlich macht, was zum Frieden gehört – für Alina und für uns alle:
[F-reunde sein,
R-uhe
I-n die Augen sehen
E-Engel sein
D-enken dürfen
E-hrlich sein
N-iemals Krieg]
Weil Kinder sich am Wettbewerb beteiligt haben und auch heute Abend da sind, möchte ich meine Gedanken zum Motto mit einer Geschichte einleiten, in der Kinder eine wesentliche Rolle spielen.
Von Leo Nikolajewitsch Tolstoi wird folgende Geschichte erzählt:
Es gehörte zu den täglichen Gewohnheiten des Gutsbesitzers und großen russischen Schriftstellers, sich am Nachmittag im Park zu ergehen, der Natur nachzuspüren und die Gedanken kreisen zu lassen.
So war es auch an diesem Oktobertag, an dem die Sonne mit ihren Strahlen das Herbstlaub vergoldete. Welch friedliche Natur!
Auf seinem Weg störte ihn eine Schar halbwüchsiger Buben, die mit Geschrei durch den Park tobten. Sie hatten sich mit Stöcken und allerlei Gerät bewaffnet.
Als sie geradewegs auf Tolstoi zustürmten, sah er zu seinem Entsetzen, dass einige größere auf zwei kleine einschlugen. Mit lauter Stimme gebot er Halt – verlegen und ängstlich versammelte sich die Gruppe um ihn.
"Welch schändliche Tat", herrschte er die Knaben an. "Wollt ihr euch gegenseitig totschlagen?"
"Aber nein, Gospodin", antwortete ein Junge, der wohl der Sprecher der Gruppe war: "Wir spielen doch nur." –
"Und wie heißt dieses Spiel?" fragte der Gutsherr weiter. "Wir spielen Krieg."
Tolstoi schüttelte energisch den Kopf und entgegnete laut: "Krieg, Krieg – ihr solltet lieber Frieden spielen!"
Missbilligend den Kopf schüttelnd, ging Leo Nikolajewitsch weiter.
Auch die Jungen waren still geworden und steckten die Köpfe zusammen. Plötzlich rannte der Sprecher hinter Tolstoi her, zupfte ihn am Ärmel und fragte: "Bitte, Gospodin, wie spielt man eigentlich Frieden?"
Die Frage der Jungen führt weiter, weil es wirklich schwer ist Frieden zu spielen. Vielleicht würde ihnen die Anregung helfen, sich vorzustellen, was sie tun würden, wenn es lange Krieg gewesen wäre und nun würden sie erfahren, dass der Krieg zu Ende sei und es Frieden werden würde. Was würden sie da tun? Frieden feiern – dazu würde den Jungen sicher etwas einfallen.
Vielleicht könnt ihr Kinder, die ihr so gute Gedanken hattet zum Motto auch mit weiter überlegen, wie wir dieses Motto mit Leben füllen und „Frieden feiern“ können.
Miteinander essen, trinken, lachen, tanzen, singen gehört sicher mit dazu. Singen gehört für uns Christen in besonderer Weise dazu. Im alten Gesangbuch stand ein Lied, das Paul Gerhardt gedichtet hat in ähnlicher Zeit, in der der Friedensdank entstanden ist, nach der Verkündigung des Friedens von Münster und Osnabrück im Jahr 1648. Es steht nicht mehr im Gesangbuch, doch ich zitiere es als Anleitung zum Feiern:
Gott Lob! Nun ist erschollen / Das edle Fried- und Freudenwort, /
Dass nunmehr ruhen sollen / Die Spieß und Schwerter und ihr Mord. /
Wohlauf und nimm nun wieder / Dein Saitenspiel hervor, /
O Deutschland, und sing Lieder / Im hohen vollen Chor. /
Erhebe dein Gemüte / Zu deinem Gott und sprich: /
Herr, deine Gnad und Güte / Bleibt dennoch ewiglich!