Osterbotschaft der Regionalbischöfin

Sieger müssen stark sein. Deswegen ähneln manche Christusfiguren in unseren oberfränkischen Markgrafenkirchen auf den ersten Blick dem Ideal des starken Mannes... Heute würde man sagen: er schaut aus wie ein durchtrainierter Bodybuilder. Ein starker Feind braucht einen noch stärkeren Überwinder, so wie es Johann Ludwig Konrad Allendorf im Lied „Jesus ist kommen“ beschreibt:
„Jesus ist kommen, der starke Erlöser, bricht dem gewappneten Starken ins Haus,
sprenget des Feindes befestigte Schlösser, führt die Gefangenen siegend heraus.“
Das Böse besiegt er – und den Tod. Die Bildwelt und Sprache des Krieges in diesem Lied mag uns fremd sein. Doch es gibt einen geistlichen Kampf, was in unserer Welt siegt: der Egoismus des „me first“ im Gleichschritt mit Trumps „America first“. Oder siegt das „we“, siegt die Gemeinschaft, siegt die Liebe, zu der Christus erlöst?
Schauen wir noch einmal in unsere Kirchen. Die Fürsten und Ritter, die dort ihre Grabmäler errichten ließen und ihre Wappen mit den starken Symboltieren Löwe, Bär oder Einhorn, stellten sich in ihren Rüstungen gerne als die Starken dar. Der auferstandene Jesus aber ist fast in allen Kirchen nackt, nur mit seinem weißen Leichentuch notdürftig bedeckt; in Joditz auf dem Kanzeldeckel verhüllt das Tuch nicht einmal den Rücken samt dessen Verlängerung. Er wirkt muskulös und stark, doch er trägt die Nägelmale und die Wunde des Lanzenstichs.
Das finde ich so beeindruckend an unserem Glauben, dass wir einen Herrn verehren, der unterlegen ist, der schwach war, der weinte im Garten Gethsemane und der schrie am Kreuz. Und genau den verehren wir als Sieger, denn er hat selbst im Tod am Kreuz den Weg der Liebe nicht verlassen. Er hat nicht zurückgeschlagen. Er hat selbst für die, die ihn verspotteten und folterten am Kreuz gebetet: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Diesen Liebenden, den hat der himmlische Vater auferweckt. Diese Einheit von schwach sein, lieben und siegen, die ist faszinierend an unserem Glauben.
Wer liebt, mag manchmal schwach scheinen, weil markige Sprüche fehlen und das Hau-drauf-Gebaren auch. Aber am Ende unseres Lebens wird alles unwichtig sein - bis auf die Liebe, die wir empfangen haben und gegeben haben. Der auferstandene Jesus war und ist der größte Liebende und darin unser Erlöser. Er ist unser Herr und von ihm lassen wir uns leiten. Dass er siegt mit seiner Liebe – in unserem Leben und überraschend auch immer wieder in dieser Welt, das ist unsere österliche Hoffnung.

(Bild: Markgrafenkirche in Wonsees)