Ordination von Pfarrer Andreas Gebelein am 30.09.2017 in Gefrees

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Greiner zu Matthäus 6,33



„Sorget nicht“ und „trachtet zuerst nach Gottes Reich“ - das sind die wesentlichen Aufforderungen unseres Bibelwortes, das wir vorhin in der Lesung gehört haben.

„Sorget nicht!“ In unserem Ordinationsgespräch habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass Sie, lieber Herr Gebelein, ein besonders sorgenvoller Mensch sind. Im Gegenteil schauen aus Ihren Augen die Freude und das Vertrauen des Glaubens an Christus.
Sie sind eher ein Beleg dafür, wie unsere beiden Aufforderungen zusammen hängen. Wer der zweiten Aufforderung folgt: Trachtet zuerst nach Gottes Reich, der wird freier von der Sorge um sich selbst, der erfährt, wie Gott hilft. Denn die Verheißung unseres Bibelwortes ist ja auch: „Trachtet zuerst nach Gottes Reich und seiner Gerechtigkeit, so wird Euch solches alles zufallen“ – alles, was wir zum Leben brauchen.

Was heißt überhaupt: „nach dem Reich Gottes trachten“. Das Wort „trachten“ bedeutet: suchen und mit Kraft ersehnen. Trachtet nach Gottes Reich meint also: sucht es, ersehnt es mit Kraft.

Und was sollen wir da suchen und ersehen? Was ist das „Reich Gottes“, nach dem wir trachten sollen?
Das Reich Gottes ist nicht eingegrenzt auf Räume und Zeiten. Es ist überall dort, wo Gott wirksam ist.
Das war insbesondere in allem, was Jesus Christus tat, wenn er Kinder segnete und hoffnungslos kranke Menschen heilte; wenn Jesus ihnen vom Vater im Himmel erzählte, wie er für uns sorgt und was er von uns will; wenn Jesus Menschen - wie den ausgestoßenen Zöllner - wieder in die Gemeinschaft herein holte und als er am Kreuz allen, selbst seinen Folterern vergab.
Bei ihm wurde die Liebe des Vaters im Himmel in Taten und Worten erfahrbar. Das war und ist Reich Gottes.
Dass die Liebe des Vaters im Himmel erfahrbar wird, das kann auch unter uns geschehen. Und das sollen wir auch ersehnen. Wir sollen suchen, Ausschau halten, wo es schon geschieht, wo Gott schon unter uns handelt und wir sollen bestrebt sein, dass sein Wille, seine Liebe sich unter uns weiter verbreitet.

Es gab in der Geschichte des Christentums immer wieder Menschen, die wollten Gottes Reich mit Gewalt durchsetzen – welche Perversion -  so Thomas Müntzer oder Karlstadt – zur Zeit Luthers. Auch heute gibt es Menschen, die wollen andere drängen, doch so zu leben wie Gott es will. Die wissen auch immer schon, was Gott will. Ich glaube, dass sind Gottes größte Sorgenkinder, weil sie in dieser Unzufriedenheit über andere, seine Liebe schon lange verlassen haben und es nicht merken.
Wenn in uns nicht die Liebe wächst zu allen Menschen, dann sind wir irgendwo, aber nicht in Gottes Reich. Das Leben im Reich Gottes ist ein Weg; er führt zur vollkommenen Liebe zu Gott und den Menschen. Diese Liebe gibt keinen Menschen auf: Ihr Jugendlichen gebt Eure Eltern, die gerade so schwierig sind, nicht auf – sie bleiben doch Eure Eltern. Ihr Eltern gebt Eure Kinder nicht auf; auch wenn sie gerade so ganz anders sind, wie Ihr es Euch erträumt. Gott sieht weiter als Ihr und liebt mehr als Ihr. Lasst Euch von seiner Liebe erfüllen.
Es ist auch nicht christlich, Menschen zu verachten, die die AfD gewählt haben. Es ist nicht christlich Menschen zu verachten, die in unser Land geflüchtet sind. Man kann sachlich unterschiedlicher Meinung sein und soll dies auch äußern. Doch die Achtung vor jedem Menschen und die Liebe Gottes zu diesem Menschen muss dabei erfahrbar bleiben. Das verwandelt auch unsere Gesellschaft. So baut Gott sein Reich.

Nach dem Reich Gottes trachten, es zu ersehnen, davon zu reden, ist in gewisser Weise in Zukunft Ihre Berufsaufgabe, lieber Bruder Gebelein. Doch es ist ja nicht nur eine Aufforderung, die sich an Hauptamtliche richtet, sondern an alle Christen. Und so fingen bei Ihnen die Sehnsucht und Einsatz für Gottes Reich nicht erst mit dem Dienstbeginn in Gefrees an. Es fing auch nicht erst im Vorbereitungsdienst an, den Sie in der Fränkischen Schweizgemeinde Buchau mit Weismain verbracht haben. Danke an dieser Stelle an das Ehepaar Claudia und Ulrich Jobst für die gute Mentorenschaft und an das Predigerseminar – heute vertreten unter uns von Frau Pfarrerin Hirschmann.
Sie, lieber Bruder Gebelein, brennen für das Reich Gottes schon seit Ihrer eigenen Konfirmandenzeit. Sie sind aufgewachsen in Bad Steben; dort im  Konfirmandenunterricht haben Sie empfunden, dass all die Fragen, die im Unterricht behandelt werden, Sie und Ihr eigenes Leben betreffen. Pfarrer Edwin Weiß hat es verstanden, Sie persönlich anzusprechen. Mit Pfarrer Bergmann hatten Sie in den Folgejahren einen Gesprächspartner, der bereit war, viele Stunden mit Ihnen zu diskutieren.
Immer tiefer wurde in Ihnen der Wunsch, das, was Sie mit dem Herzen verstanden hatten, das frohmachende Evangelium von Jesus Christus weiter zu sagen, damit das Reich Gottes sich verbreitet.
An Ihrem Leben, in dem Sie schon durch so viele Menschen bereichert wurden, wird deutlich: Reich Gottes ist keine anonyme Bewegung. Reich Gottes entfaltet sich um Menschen herum, die der Glaube an Jesus Christus reich gemacht hat und die etwas weitergeben von der
Freude, die ihr Herz erfüllt,
von dem Gottvertrauen, das sie durchs Leben trägt,
von der Liebe zu Gott und den Menschen, die immer stärker wird, je mehr sie ihr Ausdruck verleihen,
von dem Frieden, der sie durchströmt und Versöhnung stiftet in Familien, Gemeinden, ja in unserer Gesellschaft.

Ihnen, lieber Herr Gebelein, ist im Rückblick auf Ihr eigenes Leben sehr bewusst, was Sie den genannten Menschen und noch weiteren Gesprächspartnern und Vorbildern verdanken. Darum wollen Sie selbst auch als Pfarrer Wegbegleiter sein für die Menschen, die Ihnen anvertraut sind.
Nicht Menschen bauen Gottes Reich; sondern Gott baut sein Reich durch Menschen. Und wir erbitten heute, dass dies durch Sie und Ihren Dienst geschieht.
Ihr Dienst als Pfarrer beginnt hier in Gefrees. Sie wollten hierher. Das freute mich ganz besonders und ich hatte darum auch dem Personalreferat in München einen Hinweis gegeben, dass es doch bitte diesen Wunsch wahrnimmt.
An der Stelle, auf der Sie nun eingesetzt sind, hat Sie gereizt, dass ausdrücklich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Ausschreibung erwähnt ist. Der Aufbau von Jugendarbeit ist Ihnen ein besonderes Anliegen. Schön, dass Sie dabei gerne mit dem CVJM zusammenarbeiten wollen. Reich Gottes entsteht nie wenn Christen gegeneinander arbeiten, sondern immer nur miteinander.

Ihr lieben Gefreeser, noch ein Wort an Euch: Ich freue mich mit Euch, dass Ihr nun wieder einen jungen Pfarrer habt, einen, der in Eurer Gemeinde sucht, wo Gott schon wirkt. Da wird Andreas Gebelein viel finden in den Gruppen und Kreisen und in Euren Herzen. Und er ist da, um mit Euch zu ersehnen, dass dieses Reich Gottes blüht und noch viel mehr Menschen in Gefrees von ihm erfasst werden. Sehnt, betet und arbeitet mit ihm daran.

Heute erbitten wir Gottes Geist für unseren Bruder Andreas Gebelein - nicht nur für den Dienst in Gefrees. Die Ordination richtet unseren Blick auf das ganze Leben, das Andreas Gebelein geschenkt werden wird. Denn die Ordination ist die Berufung, Segnung und Sendung zum lebenslangen Dienst der öffentlichen Verkündigung des Evangeliums.
Die Ordination gilt für uns Ordinierte bis wir sterben. Sie ist also keine Einsetzung auf die Stelle in Gefrees, sondern eine grundlegende Einsetzung in das Verkündigungsamt.
Die Verleihung der zweiten Pfarrstelle in Gefrees, auf der er nun Dienst tut,  kann in drei Jahren erfolgen, wenn der Probedienst mit Erfolg absolviert ist – woran ich auch nicht mit einem Fünkchen zweifle.
Doch auch in diesem dreijährigen Probedienst ist Andreas Gebelein nicht Pfarrer Kelinske unterstellt. Beide sind einander kollegial gleichgestellt. Dekan Guba hat die Dienstaufsicht für beide. Es gibt auch keine ersten und zweiten Pfarrer, sondern es gibt erste und zweite Pfarrstellen. Die erste Pfarrstelle ist kein Rang, sondern bedeutet, dass hier die Verwaltungsverantwortung liegt. Das sage ich immer so deutlich, wenn junge Ordinierte in solch eine Tandemsituation kommen. Es ist gut, dass wir in unserer Kirche die Hierarchien flach halten. Wichtiger als Hierarchien ist sowieso das gemeinsame Streben nach Gottes Reich. Dann tritt vieles zurück.

Lieber Bruder Gebelein, am Ende meiner Ansprache will ich auch das Ende des Bibelverses in Erinnerung rufen. Unser Bibelwort ruft nicht nur auf, dass Sie nach Gottes Reich trachten. Es beinhaltet eine große Zusage. Es sagt uns allen und besonders Ihnen:
Du, bei dem Gott, seine Liebe, sein Reich an erster Stelle steht, Du wirst alles geschenkt bekommen, was Du bei Deiner Arbeit und im alltäglichen Leben brauchst. Du wirst es erfahren, Gott sorgt für Dich:
Der Vater im Himmel weiß, was Dir gut tut; Christus heilt Dein Herz, schenkt Dir große Liebe, Geduld, Weisheit durch seinen heiligen Geist.

Ein Spruch Augustins lautet: „Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben. Ach, dass wir Armen nur so kleine Herzen haben“. Dieser Spruch macht nicht uns Menschen klein, sondern öffnet den Blick für die Größe der Güte, Liebe und Weisheit Gottes.
Gott kann Dir viel mehr schenken, als unser Herz überhaupt ahnt und fasst.
Darum schenke Gott Dir, lieber Bruder Andreas Gebelein, in Deinem Dienst und Leben ein Herz, das immer weiter wird, weiter für all die Menschen, die Gott liebt. Ein Herz, das die Sehnsucht wach hält nach Gott und seinem Reich. Aus seinem Reichtum wir Dir dann alles zufallen. Auch das, wovon Du gar nicht ahntest, wie sehr Du es brauchst. 
Amen.