Ordination von Dr. Sigurd Kaiser am 24.09.2017 in Schauenstein

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zu 1. Petrus 5,7

Liebe Ordinationsgemeinde und vor allem lieber Bruder Dr. Sigurd Kaiser mit Ehefrau Li und Kindern Simon, Thea und Judith,

 

der Wochenspruch für diesen Sonntag und das Motto über Ihrem zukünftigen Dienst und Leben lautet:

„Alle Eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für Euch“. Dieser Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief ist Grundlage meiner Predigt – zumal das gehörte Evangelium einen ähnlichen Aufruf an uns hat: In all Deinen Sorgen – vertraue Gott. Der himmlische Vater weiß, was Du brauchst.

 

Der Schreiber des ersten Petrusbriefes erwartet nicht, dass wir uns keine Sorgen machen. Das finde ich sehr realistisch. Er fordert aber auf, alle vorhanden Sorgen auf Gott zu werfen.

Welche Sorge ist Ihre größte Sorge:

Ist es die Sorge um Ihre Gesundheit? Auch junge Menschen sind oft schon ernsthaft krank und bei uns Älteren nehmen in aller Regel die Beschwerden zu. Und irgendwann wird unser Körper ganz seinen Dienst aufgeben. Das gehört zu unserem Leben. Damit gelassen umzugehen, ist nicht ganz einfach.

Doch unabhängig davon, wie krank oder wie nah dem Tod wir sind - es dient immer dem Wohlbefinden und der Gesundheit, jede Sorge wegen einer Krankheit Gott abzugeben und zu beten: „Lieber Vater im Himmel, durchströme Du mich mit Deiner heilenden Kraft.“ Wir werden dadurch heiler, manchmal auch wirklich körperlich, immer aber seelisch. Und was unserer Seele hilft, hilft indirekt auch unserem Körper.

Das Gebet zu Gott ersetzt meist nicht den Gang zu Arzt, doch erkennen wir, wenn wir vor Gott still werden, manchmal auch, was zu tun sinnvoll ist.

Sie, lieber Herr Dr. Kaiser haben über das Gebet zur Krankenheilung sogar Ihre Doktorarbeit geschrieben. Sie können Menschen mitnehmen in das Vertrauen, dass der Vater im Himmel unser eigentlicher Arzt und Helfer ist.

Liebe Gemeinde, diesen Pfarrer können Sie bitten, Ihnen auch einmal die Hände aufzulegen und für Sie zu beten. Das Gebet des Glaubens wird helfen. Vielleicht anders als wir erwarten, aber es hilft.

 

Vielleicht ist Ihre größte Sorge auch die Gesundheit eines Ihnen lieben Menschen. Auch da gilt: Werft diese Sorge auf Gott.  Betet für diesen Menschen. Vertraut dabei der Güte Gottes. Er weiß doch, was gut ist. Gebt Gott alle Freiheit, so zu helfen, wie es in seinen Augen gut ist. Er sorgt für Euch und Eure Lieben.

 

Das ist schon richtig, dass da steht: Die Sorgen werfen. Uns Frauen sagt man ja nach, dass wir schlecht werfen können. Die Wurfbewegung ist nicht gerade optimal. Ich glaube bei Gott ist das egal. Hauptsache weg von uns. Die Sorge gehört zu ihm. Das Ding muss weg mit Schwung. Er fängt die Sorge auf und uns gleich mit.

 

Manchmal hilft es auch, zurück zu schauen. Wie oft hat Gott mir schon wieder neue Kraft gegeben, die Schmerzen genommen, das Leiden aufgelöst. Die Familie wieder versöhnt. Dem Kind in der Schule zur Seite gestanden und es geführt; einen Arbeitsplatz geschenkt.

Es geht ja nicht nur um die Gesundheit, sondern um die vielen Hürden in unserem Leben. Wie oft war eine Tür zu – lange war nicht klar wie es weitergeht. Doch dann hat Gott uns die Tür geöffnet und unser Leben nahm eine neue Wendung.

 

Auch Sie, lieber Herr Dr. Kaiser hat Gott bisher geführt und immer wieder neue Türen geöffnet.

Geboren und aufgewachsen sind Sie 1963 im westfälischen Siegen. Sie sind schon als Kind in großes Gottvertrauen hineingewachsen. Nach dem Abitur studierten Sie Physik und schlossen es mit dem Diplom als Physikingenieur ab.

Doch im Studium war Ihnen deutlich geworden, dass Sie in den vollzeitlichen Dienst für Gott gehen sollten. Es dauerte einige Jahre bis klar war, wie dieser Dienst aussehen soll. In dieser Zeit waren Sie wissenschaftlicher Mitarbeiter in Houston bzw. als Physiker an der Stanford University, studierten Theologie am Fuller Theological Seminary, schlossen mit dem Master of Divinitiy ab, fertigten die oben erwähnte Doktorarbeit in Tübingen, wurden kurz Dozent am CVJM Kolleg in Kassel, Lehrer an einer christlichen Schule und dann öffnete sich der Weg in die Mission nach China.

Zuvor hatten Sie im Jahr 2000 Ihre Frau Li geheiratet. Das Missionwerk unserer Landeskirche „Mission EineWelt“ bereitete Sie im Jahr 2006 vor und entsandte Sie im folgenden Jahr zur Lehrtätigkeit am Nanjing Union Theological Seminary als Dozent im Fach Neues Testament.

Im Jahr 2014 orientierten Sie sich zurück nach Deutschland. Vielleicht war in dieser Zeit der Suche, wo Ihr neuer Dienstort sein könnte, doch eine gewisse Sorge da. Inzwischen waren Sie ja Vater dreier Kinder, die ein gutes Zuhause brauchten.

Doch Gott sorgte auch da für Sie. Wir führten ein Gespräch in der Christusbruderschaft Selbitz und unsere Landeskirche nahm sie - auf meine Empfehlung hin - auf in den Vorbereitungsdienst für den Pfarrberuf. Den haben Sie hier in Schauenstein absolviert und ich habe den Eindruck, dass Sie mit den Schauensteinern warm geworden sind. Sie haben die Sorgen vieler Menschen hier geteilt und für sie gebetet; und es gibt hier auch viele Menschen, die Ihre Sorgen teilen und für Sie beten. Das verbindet sehr.

Selten findet eine Ordination in der Vikariatsgemeinde statt. Doch in diesem Fall bietet es sich an, nicht nur wegen der gewachsenen Liebe, sondern auch, weil Sie gleich drei Gemeinden haben, in der Sie seit 1. September tätig sind: Geroldsgrün, Naila und Marxgrün.

Auch die Geroldsgrüner haben Sorgen. Aus dieser Gemeinde gehen viel mehr junge Menschen fort als zurückkommen. Doch Ihr lieben Geroldsgrüner: Wichtig für Euch ist nicht die absolute Anzahl der Jugendlichen, sondern ob die, die Euch anvertraut sind, Zugang zum Glauben an Christus gewinnen und fröhlich leben. Das schenke Gott in seiner Güte.

Auch Ihr Nailaer seid nicht sorgenfrei. Das unbrauchbar gewordene Gebäude des Integrationskindergartens hat Euch große Sorgen bereitet. Es war weise, das große Gemeindehaus auch für den Kindergarten zu öffnen. Noch sind Umbaunotwendigkeiten nicht abgeschlossen. Wird der Zeitplan bis Sommer kommenden Jahres zu halten sein? Auch dafür könnt ihr beten.

Ihr habt eine große Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. Dort wohnen so viele Menschen, dass es mehr Ehrenamtliche bäuchte, die Geflüchtete begleiten und integrieren. Denn das ist solch eine wichtige Aufgabe - menschlich, gesellschaftlich und geistlich. Viele Geflüchtete haben Interesse an unserer Kultur und unserem Glauben. Doch wer erzählt ihnen davon, wer sieht ihre besonderen Bedürfnisse im fremden Land. Ihr Nailaer betet für die Euch anvertrauten Geflüchteten.

Auch Ihr Marxgrüner hattet echte Sorgen wegen Eures zurückgehenden Gottesdienstbesuches. Eure Sorge ist berechtigt und wichtig. Werft sie auf Gott. Ein neuer Aufbruch, ein neuer Anfang ist möglich. Seid selbst treu im Gottesdienstbesuch, betet und ladet ein.

Das ist ja der Punkt, den ich auch bei mir immer wieder feststelle, dass es manchmal ein Weilchen dauert, bis ich überhaupt auf die Idee komme, dass ich für die Sache, die mir im Magen liegt, beten könnte. Wenn ich beginne zu beten, lichtet sich alles in mir und oft auch in der Sache.

Heute machen sich viele - und auch ich - Sorgen, dass polarisierende Kräfte in unserer Gesellschaft zunehmen. Wir werden heute Abend hören, ob - und wenn ja wie - die Stimmen am rechten und linken Rand zugenommen haben.

Was ist die wichtigste Aufgabe von uns Christen in unserer Gesellschaft? Dass wir uns für das Miteinander einsetzen, die Gemeinschaft, den Brückenbau. Unsere Liebe grenzt niemanden aus und gibt niemanden auf. Unser Gebet lässt niemanden fallen, weder die Geflüchteten noch die, die Geflüchtete ausgrenzen wollen. Wir werfen alle Sorgen und wir legen alle Menschen in Gottes Hand.

Gibt es Sorgen im Blick auf Ihren gegenwärtigen Dienst, lieber Herr Dr. Kaiser. Ja schon. Zwar freuen wir uns, dass Sie zusammen mit Ihrer Familie in unserer Region bleiben können. Doch es ist sehr viel, dass Sie in drei Gemeinden Dienst tun. Niemand kann sich zweiteilen und erst recht nicht dreiteilen.

Hinzu kommt, dass Sie noch nicht in Ihr Pfarrhaus einziehen können, sodass so viel Zeit - im wahrsten Sinne - auf der Strecke bleibt. Gott behüte Sie auf Ihren Fahrten und helfe, dass das Haus in Naila bald bezugsfertig ist. Er helfe auch, dass Ihr drei - Simon, Thea und Judith - Euch in Eurer neuen Umgebung richtig wohl fühlt und die ganze Familie fröhlich leben kann.

Wir haben im Kirchenkreis Bayreuth einen kleinen Zusatz in der Ordinationsagende. Der Segen, den ich spreche, lautet nach Agende: „Der Herr segne Dich. Er segne Deinen Dienst an allen, die Dir anvertraut sind.“ Im Kirchenkreis Bayreuth fügen wir seit ca. 20 Jahren hinzu: Der Herr segne Dich „und Deine Familie“. Gerade weil unser Dienst das ganze Leben durchdringt, und die Familie oft betroffen ist, z.B. wenn der Papa mal wieder unpünktlich zum Abendessen kommt, weil der Besuch länger dauert, darum ersehnen wir im Segen, dass nicht die Nachteile überwiegen, sondern, dass die Familie auch durch diesen Dienst gesegnet wird.

 

Heute werden Sie, lieber Bruder Dr. Sigurd Kaiser von unserer Kirche und unserem Herrn Jesus Christus gerufen in den lebenslangen Dienst der Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Sie werden gesandt in diesen Dienst und dafür gesegnet.

Bei unserem Ordinationsgespräch sah ich plötzlich einen Regenbogen am Himmel. Wir liefen in den Garten und staunten. Der Regenbogen Gottes, lieber Bruder Dr. Kaiser, steht über Ihrem Dienst. Gott verheißt und schenkt Schutz und Segen.

Berufung, Segnung und Sendung enden nicht, solange Sie leben und das möge lang sein. Die ganzen Sorgen, die Sie im Zuge Ihres lebenslangen Dienstes haben werden, kennen Sie glücklicherweise noch nicht. Doch die Ordination ist gleichsam ein geistlicher Akt, in dem wir alle Sorgen, die kommen werden, jetzt schon Gott anbefehlen. Alles, was kommt, steht unter seinem Regenbogen. Er sorgt für Sie und Ihre Familie und er wird Ihr Licht sein in Ihrem Dienst. Amen.