Mitgliederversammlung Markgrafenkirchen e.V

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner in der Andacht zur 1. Mitgliederversammlung des Markgrafenkirchen e.V. in Eckersdorf

Liebe Freunde und Freundinnen unserer Markgrafenkirchen,
liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Bei der Andacht zur Gründung unseres Vereins in Bad Berneck haben wir uns der Dreifaltigkeit und dem Symbol des Dreiecks zugewandt. Heute schauen wir auf die Strahlen, die von der Dreifaltigkeit bzw. dem Symbol des Dreiecks ausgehen. Thema ist damit: Gottes Herrlichkeit, die über uns leuchtet.

Wir sehen hier in der Ägidiuskirche Eckersdorf besonders prachtvolle Strahlen. Kein Geringerer als der Bayreuther Hofstukkateur Albini hat sie gefertigt. Der Name Albini klingt nur italienisch, ist es aber nicht, denn Adam Rudolph Albin hatte nur entsprechend damaliger Mode ein“ i“ angehängt. Bei jedem unserer Namen klingt das aber nicht so gut, wie bei ihm.
Adam Rudolph Albini war schon ab 1745 am Hof tätig und so finden wir seine Stuckkunst im Alten Schloss der Eremitage, dem Neuen Schloss in Bayreuth, in Sanspareil und eben in etlichen Markgrafenkirchen.
Beinahe wäre er in Eckersdorf nicht zum Zug gekommen. Denn Ortspfarrer Schmidt wollte den günstigeren Stuckateur Gerstendörfer aus Trockau. Hofbauinspektor Riedel, schaffte es aber unter Strafandrohung Albini durchzusetzen. Allerdings gab man nicht die angesetzten 250 Gulden aus, sondern nur 200. Nicht auszudenken, was wir hier sehen würden für 50 Gulden mehr. Doch auch so ist diese Gottesdarstellung über uns beachtlich:
Sie arbeitet mit Gold. Als Himmelsfarbe findet sie sich im Symbol für die Dreieinigkeit selbst und in den 8 Engelsköpfen.
Ich rechne mit symbolischer Durchdachtheit: 8 ist die hebräische Symbolzahl für Himmel. Goldene Strahlen zählen wir 2 x 8: Aller Himmel Himmel können Gott nicht fassen. 4 ist die Zahl der Erde. 4 mal 8 weiße Strahlenbündel: Die Strahlen der Herrlichkeit Gottes gelten der Erde, gelten uns, die hier sitzen.

Weder in Judentum noch Christentum wird Gott anders darstellt als in Symbolen. Auch figürliche Darstellungen sind immer symbolisch zu verstehen. Diese kreisrunden Strahlen erinnern natürlich an die Sonnenstrahlen, doch auch das ist Symbolik. Denn wir beten nicht die Sonne an, sondern ihn, der Sonne und Mond geschaffen hat. Doch wie die Sonne die Erde wärmt, so wärmt Gottes Herrlichkeit die Herzen der Menschen, die sich von ihr bescheinen lassen.

Herrlichkeit - damit übersetzen wir das hebräische Wort Kabod, griechisch doxa, lateinisch gloria. Eine Theologia gloriae, die viel von der Herrlichkeit und Macht Gottes spricht, ist der nachkriegsdeutschen Theologie suspekt; haben wir doch vor beiden Weltkriegen erlebt, wie Theologie missbraucht werden kann, um menschliche Macht zu überhöhen. Umso wichtiger wahrzunehmen: Von den Buchstaben FWR für Friedrich Wilhelm Rex (Friedrich Wilhelm II. von Preußen) und dem Adler gehen keine Strahlen aus. Wer Gott anbetet in seiner Größe und Schönheit wird befreit davon, Menschen oder Idole anzubeten oder Dinge zu verehren.
Trotzdem sind die Vorbehalte gegen eine theologia gloriae - einer Herrlichkeitstheologie noch nicht zu Ende. Denn gerade wir Lutheraner rücken doch die theologia crucis, die Kreuzestheologie in der Mitte. Steht das nicht in krassem Widerspruch?
Eine Woche lang war ich Anfang des Monats bei meinen Schweigeexerzitien täglich in der Kirche, in der Luther predigte, St. Marien zu Wittenberg. Da sehen wir zuoberst im Chorraum den Gekreuzigten. Und im Altar von Lucas Cranach gemalt, sehen wir im unteren Altarbild Martin Luther, wie er auf der Kanzel von St. Marien predigt und auf den Gekreuzigten weist. „Wir predigen den gekreuzigten Christus“, sagt schon Paulus. Gott selbst kommt in Christus ins Leid. Niemand, der im Leid sitzt, muss sich daher mehr verlassen fühlen. Seine Liebe zeigt sich gerade da.
Markgrafenkirchen sind lutherische Kirchen. Wie vertragen sich diese Herrlichkeitsdarstellungen mit unserem lutherischen Profil? In vielen Markgrafen-kirchen ist der Gekreuzigte nur auf einem kleinen Altarkreuz und auf dem Vortragekreuz zu sehen. Wird da nicht der Gekreuzigte zurückgedrängt?

Gewiss sind hier Akzentverschiebungen. Doch ein Gegensatz lässt sich hier nicht aufbauen: Luther hat den gekreuzigten Christus nie ohne Gottes Herrlichkeit gedacht. Sonst hätten wir auch keinen Glauben, der befreit und fröhlich macht, sondern in der Betrachtung von Leid und Tod, Sünde und Schuld stecken bleibt. Die Herrlichkeit Gottes zeigt sich gerade im Leid in überwältigender Weise. Schauen wir uns dazu die biblische Botschaft an.
2. Mose 16 erzählt, dass das Volk Israel durch die Wüste marschiert, murrt und schimpft, weil sie Hunger haben. Wir lesen in Vers 6: „Mose und Aron sprachen zu ganz Israel: Am Abend sollt ihr innewerden, dass euch der Herr aus Ägyptenland geführt hat und am Morgen werdet ihr des Herrn Herrlichkeit sehen“. Und was sehen sie als Herrlichkeit am Morgen? Wachteln und Manna.
Gottes Herrlichkeit zeigt sich in ganz konkreter Hilfe zum Leben. Die Herrlichkeit Gottes, so unaussprechlich groß sie ist, wird erfahrbar in den elementaren Dingen des Lebens.
In 5. Mose 11 zeigt sich Gottes Herrlichkeit als er das Volk Israel beim Durchzug durchs Rote Meer vor den anstürmenden Wagen des Pharao errettet. Wieder ist die Herrlichkeit Gottes konkrete, hautnah erfahrbare Hilfe zum Leben.
Unter den großen Propheten des AT ist es Ezechiel, der durchgängig Gottes Herrlichkeit thematisiert. Ezechiel würde man heute wohl für wahnsinnig halten mit seinen vielen merkwürdigen Visionen. Für Ezechiel hat die Herrlichkeit Gottes einen festen Wohnort, den Tempel. Da ist Gott und seine Hilfe zu finden. Ezechiel sieht in einer Vision, dass die Herrlichkeit Gottes den Tempel verlässt, bevor der Tempel zerstört wird. Das Volk wird deportiert nach Babylon. Doch in seiner Vision sieht er: der Thron Gottes hat Räder. Gott fährt seinem Volk ins Exil nach. Er tut dies, obwohl das Volk Vernichtung verdient hat, weil es sich von Gott abgewendet hatte. Gott fährt den Schuldigen nach und bleibt bei ihnen und führt sie zurück nach Jerusalem. Als der neue Tempel im Jahr 515 wieder eingeweiht ist, sieht der Prophet in einer Vision, wie die Herrlichkeit Gottes wieder einzieht.
Es ist für mich keine Frage: Die Markgrafenkirchen haben im Dreieck mit Strahlenkranz einen bildhaften Hinweis, dass hier in diesem Gotteshaus die Herrlichkeit Gottes, seine konkrete Hilfe zu finden ist.
Wie wir es vorhin in der Lesung aus Jesaja 60 gehört haben, gilt allen, die hier sitzen die Verheißung: „über dir geht auf der Herr und die Herrlichkeit erscheint über dir.“ Sein Licht, sein Angesicht leuchtet über Dir. Hier segnet er Dich und geht mit Dir in den Alltag, um Dir in den konkreten Vollzügen zu helfen.
Dies setzt sich im Neuen Testament fort, wenn es über Jesus im Kapitel 1 des Johannesevangeliums heißt: „Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit.“ Johannes erzählt als erstes Wunder, – unter Gebrauch des Wortes doxa/Herrlichkeit – dass die Menschen Jesu Herrlichkeit sehen, als er ihnen bei der Hochzeit zu Kana den fehlenden Wein gibt; wieder sehr menschlich, diese Herrlichkeit.
Dasselbe Evangelium spricht später davon, dass der Sohn verherrlicht und erhöht wird, und meint damit die Erhöhung beim Hängen am Kreuz, weil sie da eben wieder Gottes Hilfe für uns zeigt.
Wir schauen doch nicht aufs Kreuz, um uns ins Leid zu bohren. Wir sehen darin die große Liebe, mit der Jesus seinen Weg konsequent zu Ende geht. Am Kreuz vergibt er und erlöst uns von jeder Schuld in unserem Leben. Wir sehen im Kreuz seine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit.
Luthers besonders schöne These 62 lautet: "Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Gottes.“ Die leuchtet hier oben bildhaft über uns. Sie beinhaltet in der Dreifaltigkeit eben auch die Hilfe im Sohn.

Und was ist dann mit dem Heiligen Geist? Der gehört ja auch zur Trinität. Es war für mich selbst eine Entdeckung, das Bibelwort zu finden, das uns vorhin als drittes vorgetragen wurde. Der 1. Petrusbrief wurde geschrieben, als die Christen bereits verfolgt wurden. Diesen verfolgten Christen, die es auch in unserer Zeit in vielen Ländern gibt, diesen verfolgten Christen sagt der Schreiber zu: „Selig seid ihr, denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf Euch.“
Dass Gottes Geist - ein Geist der Herrlichkeit und Hilfe - bei den Verfolgten ist, tröstet mich. Denn wir hören von Verhaftungen von Christen im Iran und wissen nicht, wie wir ihnen helfen können. Gottes Geist ruht auf ihnen. Gott ist in seiner Herrlichkeit und Hilfe bei ihnen.
Gottes Herrlichkeit zeigt sich im Manna für Hungernde in der Wüste, ist verkörpert in Jesu Leben und Sterben und ruht in seinem Geist auf verfolgten Christen. Wie das Licht brechen sich die Strahlen der Herrlichkeit Gottes in vielen Farben, auf viele Weisen, erfahrbar im Leben. Das macht sie gerade so groß, wundersam, dass sie sich so nah mitten im Leben zeigt.
Hier im Gotteshaus unter dem Strahlensymbol, beten wir Gott in seiner Herrlichkeit an und vertrauen auf das, was die Bibel erzählt, und was uns im Segen zugesprochen wird:
Dass sein Angesicht im Alltag, wo wir seine Hilfe brauchen, über uns leuchtet. Amen.