Kuratoriumssitzung der Christusbruderschaft Selbitz

Andacht von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 13.10.2017 zu 1.Kön 19, 1-8a

Elia und der Ginsterbusch

Mit welcher Pflanze würden Sie die Christusbruderschaft Selbitz vergleichen?
Als ich gestern die Geschichte von Elia las, dachte ich an Selbitz. Die Christusbruderschaft ist für viele Menschen ein blühender Ginsterbusch.

Lesen von 1. Kön 19, 1-8a nach der Einheitsübersetzung

Wir haben die Geschichte gehört. Ich will aber doch auf einiges hinweisen, das uns helfen könnte für uns persönlich, für die Seelsorge und die diakonische Liebe, die wir geben, und zum Verstehen der heilsamen Wirkung der CCB Selbitz als Ginsterbusch.
Elia war nicht nur erschöpft. Es heißt: „Elia geriet in Angst“. Keine Depression, kein Burn-out ohne Angst um sich selbst. Elias Verhalten ist ganz typisch.
Er geht in die Einsamkeit, lässt sogar seinen Diener, seinen engsten Vertrauten, zurück.
Er geht danach noch eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Er sucht nicht die Zerstreuung. Er geht an einen Ort geringster Sinneseindrücke, fern des Genusses. Doch der Ort ist auch lebensuntauglich – zum Verhungern und Verdursten geeignet. Sein Leben steht auf der Kippe.
Er gibt zu, dass er nicht mehr leben will. Vor allem: er gibt es gegenüber Gott zu. Seine größte Ressource behält er bei. Er redet mit Gott, er betet.
Und im Gebet wird deutlich, wie sehr er sich überfordert hat mit seiner Erwartung an sich selbst: „Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.“  Das wollte er wohl sein – welch eine unrealistische Selbstüberforderung!
So sehr die Wüste töten kann, so sehr war für ihn doch das Weggehen der einzig rettende Weg. Es heißt auch: „Er ging weg, um sein Leben zu retten“. Zum Gesundwerden braucht es oft einen anderen Ort, eine heilsame Distanz.
Er gibt sich noch nicht ganz auf. Er legt sich nicht in die pralle Sonne, sondern legt sich unter einen Ginster - ein Schmetterlingsblütler. Schmetterlinge sind Symbol der Auferstehung.
Er schläft ein. Es ist wohl ein Depressionsschlaf, der auch zum Zirkel nach unten werden kann. Er schläft, ist in der Starre, unbeweglich, passiv. Als er nichts mehr aktiv tut, rührt ihn ein Engel an. -  Körperliche Berührung; der Engel weiß, dass Elia das braucht.
Worte mitten in menschenleerer Wüste, ein ganzer Krug voll Wasser und Brot. Es steht: „Brot, das in glühender Asche gebacken war“. Wir ahnen: frisch, knusprig, duftend. Berührtwerden, hören, schmecken – die Sinne erwachen, sodass Elia dieses Brot offensichtlich besonders wahrnimmt. Warum sonst, ist dieses Brot so beschrieben. Essen hält eben Leib und Seele zusammen, das weiß der Engel; und Elia reagiert und isst. Im Schatten des Ginsters nährt ihn der Engel.
Zweimal geschieht das. Vielleicht wäre das auch noch öfter geschehen. Aber zweimal genügt für Elia. Vielleicht auch, weil beim zweiten Mal der Satz fällt: „Du hast noch einen weiten Weg vor Dir.“ Das ist keine angenehme Perspektive – aber für Elia die ihn weckende. Der Engel öffnet den Blick in die Zukunft. Er sagt damit: Gott hat noch etwas vor mit Dir und traut Dir diesen Weg zu.
Elia steht wieder auf und hat Kraft zu gehen – sehr weit.
Amen.

Wir singen den ersten Vers des Liedes: „Vertrauen wagen“.