Gottesdienst zur Verabschiedung von Priorin Sr. Anna-Maria aus der Wiesche und Einführung der neuen Priorin Sr. Birgit-Marie Henniger

Grußwort von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 29.04.2018 in der Christusbruderschaft Selbitz

Liebe Schwestern und Brüder,
„Singt dem Herrn ein neues Lied“, so fordert der Spruch des Sonntags und der Woche auf.
Mein heutiges Danklied hat drei Strophen:


Die erste handelt vom Dank für die Priorate von Schwester Anna-Maria.
Deine erste Wahl zur Priorin, liebe Schwester Anna-Maria, war schon vor rund 25 Jahren. Drei Perioden warst Du Priorin. Es war – zusammen mit dem Priorat von Schwester Veronika, ein gesegnetes Vierteljahrhundert für den Orden.
Für was bin ich dankbar, wenn ich an Dich denke?
Gott hat dem Orden mit Dir eine hervorragende Theologin geschenkt. Deine theologische Gabe war wesentlich für das Werden einer tragfähigen Ordensregel. Durch sie leitet Gott den Orden auf fester Grundlage weiter in die Zukunft.
Du hast im Stillen Schwestern prägend geistlich begleitet, an Sterbebetten gebetet und gewacht und jungen Frauen auf dem Weg in den Orden entscheidende Impulse gegeben, die noch heute in ihnen weiterwirken.
Wichtige Strukturveränderungen sind gelungen, selbst die schmerzhaften: Der Abschied aus Verchen und Südafrika; auch in der Trennung von Wülfinghausen hat Gott Frieden gesetzt.
Die Vernetzung des Ordens ist gewachsen - hinein in unsere Kirche und in die ökumenische Ordenslandschaft. Auch in der Beziehung zu den Schwestern und Brüdern in Falkenstein geschahen behutsame heilsame Schritte.
Durch Dich, liebe Schwester Anna-Maria konnte Gott beides schenken: Einheit und Liebe, Identität und Vergewisserung im Innenverhältnis, sowie im Außenverhältnis Weite in der Wahrnehmung dessen, was in der Welt geschieht und Gemein-schaft mit anderen Menschen, Orden und Kirchen.

Die zweite Strophe handelt vom Dank für die neue Priorin. Ich freue mich auf die Zeit mit Ihnen, liebe Priorin Schwester Birgit-Marie. Sie haben Ruhe in Bauch und Kopf, Kraft in Körper und Seele, dazu Offenheit im Hören und Reden. Sie bringen wirtschaftlichen Sachverstand mit und Erfahrung im Leiten. Sie haben Durchsetzungsvermögen - doch stets verbunden mit Teamfähigkeit. Ich bin voll Vertrauen und Hoffnung, dass Gott durch Ihre Leitung im Konsens mit den anderen Schwestern den Orden führt. Wir werden auch in Zukunft Grund haben, Gott zu danken für Sie.

Die dritte Strophe ist Dank für den gesamten Orden. Dankbar sage ich: Der Generationenwech-sel im Orden ist gelungen. Es ist eine starke, junge Generation da, der geistige und geistliche Kraft geschenkt ist. Der Generationenverbund trägt.
Der Orden wirkt in unsere Kirche stärker hinein denn je (!) -  insbesondere durch Gastfreundschaft und Geistliche Begleitung. Wie gut, dass Schwester Anna-Maria nun ihre großen Gaben der Geistlichen Begleitung im Gästehaus einbringen kann und Schwester Mirjam das Gästehaus leitet: Manch neues Lied wird da entstehen, liebe Sr. Mirjam, und das Singen wird den Gästen gut tun, Angst vertreiben, Hoffnung säen. Der Wochenspruch ist auch für Sie: „Singt dem Herrn ein neues Lied“ – und er geht weiter: „denn er tut Wunder“.
Der Orden hat eine handfeste Realistin gewählt. Und zum Realitätssinn des Glaubens gehört immer schon dazu, dass Gott Wunder tut, sonst wäre es nicht der Realismus des Glaubens. Gott hat Wunder getan im Orden im Beginn vor 70 Jahren. Das Wunder seiner Wirksamkeit hat seitdem  nicht abgenommen. Wir dürfen gespannt sein - auf ihn.