Gottesdienst zur Dekanatssynode Naila

Predigt der Regionalbischöfin zur Dekanatssynode Naila am 20.04.2018, 18:00 Uhr, im Evang. Gemeindehaus, Schwarzenbach/Wald

Liebe Mitglieder der Dekanatssynode Naila, liebe Schwestern und Brüder,

ich freue mich, diesen Gottesdienst heute mit Ihnen zu feiern. Und ich freue mich auch, dass wir mit dem Gottesdienst zum Beginn Ihrer Dekanatssynode einen geeigneten Rahmen gefunden haben, um allen Kirchengemeinden Ihres Dekanatsbezirks die Altarbibeln zu überreichen.
Heute hören Sie von mir nicht – wie sonst in der Predigt die Auslegung eines Bibelwortes, sondern heute geht es um die Bibel insgesamt und was sie uns bedeutet, ist doch die Freude an der „Heiligen Schrift“ Kern unserer ureigensten evangelisch-lutherischen Identität.

Lesen Sie gelegentlich Romane? Ich komme leider sehr selten dazu. Aber der neue Roman von Ken Follet hat mich sehr interessiert, hatte ich doch vor 20 Jahren schon seinen Roman „Die Säulen der Erde“ verschlungen. Der neue Roman „Fundament der Wahrheit“ fängt tröge an, wird aber immer besser und spannender. Er spielt zur Zeit der Reformation. Ich glaube, mit dem Fundament der Wahrheit, meint der Autor die Bibel. Der Roman führt nämlich plastisch vor Augen, wie sehr eine muttersprachliche Bibel in der Hand der Menschen, bekämpft und begehrt wurde. Reformatorische Männer und Frauen im Volk, die die Bibel druckten und vertrieben, mussten in vielen Regionen mit Verhaftung und Tötung rechnen. Und trotzdem wurden diese Bibeln gedruckt, gekauft, nicht nur gelesen, sondern verschlungen. Sie waren ein Verkaufsschlager, Ziel der Sehnsucht. Ich würde mir wünschen, dass diese ursprüngliche Freude an der Bibel in unserer gegenwärtigen Volkskirche neu erwacht. Luther ist dazu der beste Anleiter. Darum einige Zitate von ihm:

Das erste Zitat: „Wo das Wort ist, dort ist das Paradies und alles.“
Das zweite: „Siehe nur, dass du auf Gottes Wort Acht hast und darinnen bleibest, wie ein Kind in der Wiege. Lässt du das einen Augenblick fahren, so bist du daraus gefallen.“
Das dritte: „So müssen wir nun gewiss sein, dass die Seele alle Dinge entbehren kann, nur das Wort Gottes nicht, und ohne das Wort Gottes ist ihr mit keinem Ding geholfen. Wenn sie aber das Wort hat, dann bedarf sie auch keines anderes Dinges mehr, sondern sie hat in dem Wort Gottes Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Kunst, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gut überschwenglich.“
Wenn das keine Liebeserklärung ist!

Im Wort Gottes bleiben, das ist für Herzenschristen weniger Pflicht, als Sehnsucht, Freude, ja Genuss.
„Siehe nur, dass du auf Gottes Wort Acht hast und darinnen bleibest“.
Diesem Aufruf Luthers zu folgen, ist heute viel einfacher als zur Zeit der Reformation. Viele von uns haben ein Handy mit Internetverbindung. Es ist ganz einfach, eine App herunter zu laden mit der neuen Revision der Lutherbibel. Man gebe nur ein: Lutherbibel 2017 App und schon wird man zum kostenlosen Download geleitet. Dann hat man sie stets dabei. Ich genieße das sehr.
Ob per Handy oder mittels Buch in meiner Hand: Ich erlebe das Lesen in Gottes Wort als tiefe Erholung für meine Seele. Insbesondere vor dem Schlafengehen lese ich oft noch einige Verse aus der Bibel. Das macht mich wirklich glücklich.

Warum wirkt die Bibel so? Weil der Heilige Geist durch sie wirkt. Luther war sehr eindeutig. Er lehrte: Ohne äußeres Wort, das wir lesen oder in der Predigt hören – kein inneres Wort. Wenn Menschen meinen, Gott würde zu ihnen sprechen ohne die Bibel zu lesen oder ausgelegt zu hören, dann ist das Schwärmerei oder Faulheit.
Luther: „Zum andern sollst du meditieren; das ist: nicht allein im Herzen, sondern auch äußerlich die mündliche Rede und buchstäbliche Wort im Buch immer treiben und reiben, lesen und wiederlesen, mit fleißigem Aufmerken und Nachdenken, was der Heilige Geist damit meinet. Und hüte dich, dass du nicht überdrüssig werdest und denkest, du habest es ein Mal oder zwei genug gelesen, gehöret, gesagt und verstehest es alles zu Grund; … Denn Gott will dir seinen Geist nicht geben ohn das äußerliche Wort. Da richt dich nach!“

Ich kenne die Bibel doch, mag mancher sagen. Doch wer so denkt, hat noch keinen Zugang zu ihr. Nochmals Luther:  «Ich hab nun 28 Jahr, seit ich Doktor geworden bin, stetig in der Biblia gelesen und daraus gepredigt, doch bin ich ihrer nicht mächtig und find' noch alle Tage etwas Neues drinnen.»
Er hat die Erfahrung gemacht: „Die Heilige Schrift ist ein Kräutlein; je mehr du es reibst, desto mehr duftet es.“

Ich hätte nicht gedacht, wieviel Schub das Reformationsjubiläum gibt, zur Erneuerung unserer Freude an der Bibel. Da lesen manche Gemeinden die Bibel an einem Stück, Tag und Nacht in wechselnder Besetzung laut vor, andere schreiben sie handschriftlich ganz ab, wieder andere treffen sich um einander ihre liebsten Bibelworte vorzutragen und zu sagen, warum sie dieses Wort so lieben. Liebe festigt sich im Bekennen.
All solche Ideen können genauso noch in den folgenden Jahren verwirklicht werden in Ihren Gemeinden. Der Thesenanschlag war 1517, also genau vor 500 Jahren. Doch wann veröffentlichte Luther sein Neues Testament? 1522! Wenn das nicht Anlass ist, sich zu überlegen, wie Sie die Freude an der Bibel und das Lesen der Bibel in Ihrer Gemeinde fördern können. Gott schenke Ihnen dazu seinen kreativen Heiligen Geist.

Ich komme von der Landessynode, die bis diesen Donnerstag getagt hat. Thema der Landessynode war „Missionarische Kirche“. Viele von Ihnen wissen, wie sehr es mir am Herzen liegt, dass wir eine missionarische Kirche sind, dass wir alle hier missionarische Menschen sind, die anderen – ohne Druck, Aufdringlichkeit oder gar Manipulation, sondern fröhlich, sensibel und einladend von unserem befreienden Glauben an Christus erzählen. Solches missionarisches Handeln wird immer zu drei Dimensionen führen: Zum Bibellesen, Beten im Namen Christi und zur Pflege der Gemeinschaft mit anderen Christen. Ohne diese drei Elemente kein Glaube, der Wurzeln treibt. Wir leben als Christen in diesen drei Dimensionen. Sie bereichern uns. Diesen Reichtum wollen wir weitergeben. Heute steht besonders die Dimension der Heiligen Schrift im Mittelpunkt. Lasst uns unsere Freude an der Bibel mit anderen teilen, damit sie sich vermehrt.

Jetzt, aber, ist es mir eine Freude Ihnen nun die von mir einzeln gewidmeten und unterschriebenen Altarbibeln überreichen zu dürfen.
Pünktlich zum Reformationsjubiläum ist die neue Revision der Lutherbibel erschienen. Unsere Landeskirche schenkt jeder Kirchengemeinde eine Altarbibel mit neuem Revisionstext – überreicht von den Regionalbischöfen.
Ich weiß, manche Ihrer Gemeinden haben Schmuckbibeln, teils sogar mit Frakturschrift. Das sind Kostbarkeiten, die wir auch sorgsam in einer schönen Vitrine ausstellen können. Doch auf den Altar gehört eine lesbare Bibel. Denn Kirchen sind keine Museen, sondern Gottesdiensträume.
Unsere Kirchen sollen - wenn irgend möglich - tagsüber offen sein - und die Bibeln auch, am besten immer beim Evangelium des Sonntags.
Ihr Gemeinden, habt keine Angst, dass die Bibel gestohlen wird. Wenn, dann möge der Dieb durch das Lesen gesegnet werden und Ihr bekommt von mir eine neue, wieder von mir unterschrieben und einzeln gewidmet für Eure Gemeinde. Versprochen.
Lasst uns zuvor Gottes Wort singend preisen, bevor ich Ihnen die Bibeln überreiche.