Eröffnungsgottesdienst zur Frühjahrssynode des Dekanatsbezirks Hof

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 27.04.2018 in der Lutherkirche Hof

Liebe Mitglieder der Dekanatssynode Hof, liebe Schwestern und Brüder,

ich freue mich, diese Andacht heute mit Ihnen zu feiern. Und ich freue mich auch, dass wir mit dieser Andacht zum Beginn Ihrer Dekanatssynode einen geeigneten Rahmen gefunden haben, um allen Kirchengemeinden Ihres Dekanatsbezirks die Altarbibeln zu überreichen.

Sie werden nachher ein Referat von Pfarrer Hans Peetz über die Markgrafenkirchen hören, zugleich Hauptthema Ihrer Dekanatssynode. Auf den ersten Blick scheinen Markgrafenkirchen und Altarbibeln thematisch nichts miteinander zu tun zu haben, außer dass die neuen Bibeln eben auch auf den Altären der Markgrafenkirchen liegen werden.
Doch auf den zweiten Blick ist der Zusammenhang zwischen Kirchen und Bibeln im wahrsten Sinne des Wortes augenscheinlich.
Nicht nur diejenigen unter Ihnen mit Markgrafenkirche, sondern fast alle von Ihnen haben doch das Glück wunderschöner Kirchen, anhand derer Sie viele biblischen Geschichten erzählen können. Ja, ich meine es wirklich so:
Unsere Kirchgebäude sind die allerbesten Medien, um den Glauben an Kirchenferne weiterzugeben. Touristen, Jugendgruppen, Schulklassen, an Kultur Interessierte gehen gerne in unsere Kirchen. Und sie gehen damit in Räume, die in Farbe gemalter und in Form gegossener Glauben sind; sie sind dreidimensionales Wort Gottes.
-    So finden sich in der Decke von Regnitzlosau oder in der Emporenbrüstung von Kirchgattendorf ein reichhaltiges biblischen Bildprogramm mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament; in der Hofer Hospitalkirche sogar in der Kassettendecke und in den Brüstungen.
-    In vielen Kirchen grüßen uns Petrus und Paulus. Gerade sie stehen für die Weitergabe des Wortes  – Petrus für das Wort Gottes an die Juden, Paulus für das Wort an alle anderen Völker.
-    In fast allen Kirchen finden wir die vier Evangelisten, gemalt oder als Plastik;
-    Taufengel und andere Engel in Hülle oder ohne Hülle – jedenfalls in Fülle;
-    in einigen Kirchen steht Mose mit den 10 Geboten, so in Pilgramsreuth
-    oder wir entdecken den Guten Hirten, wie er sein Schaf trägt, so in Berg.
-    Gerade in Markgrafenkirchen ist die Auferstehungsbotschaft präsent -  denken wir beispielsweise an den Kanzeldeckel in Joditz.

Die Freude an der Bibel und an unseren Kirchen hängen eng zusammen. Hans Peetz wird Sie nachher mitnehmen in die Freude über unsere Markgrafenkirchen; ich nehme Sie mit über die Freude an unserer Bibel. Und ich tue dies heute mit Hilfe des Theologen, dem wir die deutsche Übersetzung unserer Bibel verdanken: Martin Luther. Er ist der beste Lehrer zur Freude an der Bibel. So schwärmt er:
„Wo das Wort ist, dort ist das Paradies und alles.“
„So müssen wir nun gewiss sein, dass die Seele alle Dinge entbehren kann, nur das Wort Gottes nicht, und ohne das Wort Gottes ist ihr mit keinem Ding geholfen. Wenn sie aber das Wort hat, dann bedarf sie auch keines anderes Dinges mehr, sondern sie hat in dem Wort Gottes Genüge, Speise, Freude, Friede, Licht, Kunst, Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit, Freiheit und alles Gut überschwänglich.“

Darum mahnt er: „Siehe nur, dass du auf Gottes Wort Acht hast und darinnen bleibest, wie ein Kind in der Wiege. Lässt du das einen Augenblick fahren, so bist du daraus gefallen.“
Im Wort Gottes bleiben, das ist für Herzenschristen weniger Pflicht, als Sehnsucht, Freude, ja Genuss.
Diesem Aufruf Luthers zu folgen, ist heute viel einfacher als zur Zeit der Reformation. Viele von uns haben ein Handy mit Internetverbindung. Es ist ganz einfach, eine App herunter zu laden mit der neuen Revision der Lutherbibel. Man gebe nur ein: Lutherbibel 2017 App und schon wird man zum kostenlosen Download geleitet. Dann hat man sie stets dabei. Ich genieße das sehr.
Ob per Handy oder mittels Buch in meiner Hand: Ich erlebe das Lesen in Gottes Wort als Inspiration für meinen Geist und als tiefe Erholung für meine Seele.

Warum wirkt die Bibel so? Weil der Heilige Geist durch sie wirkt. Luther war sehr eindeutig. Er lehrte: Ohne „äußeres“ Wort, das wir lesen oder in der Predigt hören – kein „inneres“ Wort.
Wenn Menschen meinen, Gott würde zu ihnen sprechen ohne die Bibel zu lesen oder ausgelegt zu hören, dann ist das Schwärmerei oder Faulheit.
Luther: „Zum andern sollst du meditieren; das ist: nicht allein im Herzen, sondern auch äußerlich die mündliche Rede und buchstäbliche Wort im Buch immer treiben und reiben, lesen und wiederlesen, mit fleißigem Aufmerken und Nachdenken, was der Heilige Geist damit meinet. Und hüte dich, dass du nicht überdrüssig werdest und denkest, du habest es ein Mal oder zwei genug gelesen, gehöret, gesagt und verstehest es alles zu Grund; … Denn Gott will dir seinen Geist nicht geben ohn das äußerliche Wort. Da richt dich nach!“

Ich kenne die Bibel doch, mag mancher sagen. Doch wer so denkt, hat noch keinen Zugang zu ihr. Nochmals Luther:  «Ich hab nun 28 Jahr, seit ich Doktor geworden bin, stetig in der Biblia gelesen und daraus gepredigt, doch bin ich ihrer nicht mächtig und find' noch alle Tage etwas Neues drinnen.»
Und es tut auch gut, ab und zu Altbekanntes wieder zu lesen – wie heute morgen in den Losungen: Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat.
Ich hätte nicht gedacht, wieviel Schub das Reformationsjubiläum und seine Vorbereitung gaben, zur Erneuerung unserer Freude an der Bibel.
-    In der einen Gemeinde lasen Jung und Alt die ganze Bibel an einem Stück, Tag und Nacht in wechselnder Besetzung laut vor.
-    In einer anderen Gemeinde schrieben sie die ganze Bibel handschriftlich ab und viele nahmen dabei seit langem zum ersten Mal wieder eine Bibel in die Hand.
-    Und in der dritten Gemeinde trauten Kirchenvorsteher sich in Gottesdiensten ihre liebsten Bibelworte vorzutragen und mit einfachen, persönlichen Worten zu sagen, warum sie dieses Wort so lieben. Liebe festigt sich im Bekennen.
Wer jetzt denkt, dass es eigentlich schade ist, dass so etwas in der eigenen Gemeinde nicht stattgefunden hat, der kann sich freuen, denn das Reformationsgedenken hat ja letztes Jahr erst begonnen. Der Thesenanschlag war 1517, also vor gut 500 Jahren. Dann ging es ja erst richtig los. Sein erste Neues Testament in deutsch hat Luther 1522 veröffentlicht! Das ist doch ein besonderes Gedankjahr. Das Jahr 2022 will vorbereitet sein mit der Frage: Wie gelingt es, dass die Bibel in die Hand der Menschen kommt? Nichts ist missionarischer als dies.

Jetzt, aber, ist es mir eine Freude Ihnen nun die von mir einzeln gewidmeten und unterschriebenen Altarbibeln überreichen zu dürfen.
Pünktlich zum Reformationsjubiläum ist die neue Revision der Lutherbibel erschienen. Unsere Landeskirche schenkt jeder Kirchengemeinde eine Altarbibel – überreicht von den Regionalbischöfen.
Ich weiß, manche Ihrer Gemeinden haben Schmuckbibeln, teils sogar mit Frakturschrift. Das sind Kostbarkeiten, die wir auch sorgsam in einer schönen Vitrine ausstellen können. Doch auf den Altar gehört eine lesbare Bibel. Denn Kirchen sind keine Museen, sondern Gottesdiensträume.
Unsere Kirchen sollen - wenn irgend möglich - tagsüber offen sein - und die Bibeln auch, am besten immer beim Evangelium des Sonntags.
Ihr Gemeinden, habt keine Angst, dass die Bibel gestohlen wird. Wenn, dann möge der Dieb durch das Lesen gesegnet werden und Ihr bekommt von mir eine neue, wieder von mir unterschrieben und einzeln gewidmet für Eure Gemeinde. Versprochen.