Einführung von Dekan Jürgen Hacker

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 2. Advent in der Stadtkirche Bayreuth

Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht!

Liebe Gemeinde, insbesondere lieber Bruder Jürgen Hacker,
dieser Wochenspruch, den wir jeden zweiten Advent hören, bringt mich jedes Mal zum Schmunzeln, wenn ich an diesem Tag eine Einführung oder Ordination vornehme. Natürlich will der Wochenspruch den Blick auf Christus, den Erlöser richten. Und doch empfinden es alle Anwesenden selbstverständlich auch als Erlösung, dass nun die Vakanz zu Ende ist. Advent heißt Ankunft. Natürlich ist die Ankunft Christi gemeint, und trotzdem feiern wir heute kräftig, dass der neue Dekan endlich da ist.
Vor allem Dekan Thomas Guba wird froh sein. Wir hatten im Frühjahr aus dem übergroßen Dekanatsbezirk Bayreuth und aus dem sehr kleinen Dekanatsbezirk Bad Berneck einen neuen Dekanatsbezirk Bayreuth-Bad Berneck gebildet, um ihn dann sogleich in zwei einigermaßen gleichgroße Regionen – Nord und Süd - zu teilen, damit die Lasten auf zwei Dekane gerechter verteilt werden. Doch in der Vakanzzeit seit März hattest Du, lieber Thomas, faktisch nun mehr als den übergroßen Dekanatsbezirk Bayreuth zu tragen, auch wenn die beiden Stellvertreter Herr Aschoff und Frau Schlör Dich bestens unterstützten. So ist es für Dich eine Erlösung, dass nun die Tandemspitze vollständig ist. Danke für´s Durchtragen Dir und allen haupt- und ehrenamtlich Unterstützenden.
Die Vakanz auf der dritten Pfarrstelle der Stadtkirche besteht freilich noch weiter. Erst zum 1. September tritt Pfarrer Gundermann die Nachfolge von Kleineidams an. Umso mehr sind alle in der Stadtkirchengemeinde froh, dass mit dem Dekan die erste Pfarrstelle wieder besetzt ist.
Freilich viel nützt die Besetzung der Dekansstelle der Stadtkirchengemeinde selbst gar nicht so viel. Denn die Arbeit des Dekans und Inhabers der erste Pfarrstelle gilt mit 82% dem Dekanatsbezirk und nur mit 18% der Kirchengemeinde. Trotzdem ist es ein erlösendes Gefühl, dass nicht 18%, sondern ein ganzer Mensch jetzt da ist.

Das Warten hat sich gelohnt; einige Gründe nenne ich:
Jürgen Hacker ist ein Mensch mit Stil und Sinn für Form – das werden Sie in Gesprächen wie auch im gottesdienstlichen Bereich merken, weil er selbst schöne Liturgie liebt.
Er ist ein Mensch mit Sensibilität – das wird allen in seinem kleinen Seelsorgesprengel gut tun, allen, die ihm aufsichtlich anvertraut sind oder mit ihm kooperieren. Sein sensibles Zuhören und warmherziges Auftreten tun gut.
Er ist ein Mensch mit Sachverstand für Kunst und Kultur einschließlich Richard Wagner und natürlich freut ihn, in der Mutterkirche der Markgrafen-kirchen Dienst zu tun und neben ihr zu wohnen, wenn er dann endlich im Sommer einziehen kann. Seien Sie bitte sehr gnädig mit ihm – zumindest bis dahin. Denn die Renovierungs-arbeiten im Dekanat machen noch das Wohnen unmöglich und das Arbeiten manchmal nur schwer erträglich.
Er ist ein Mensch mit Leitungserfahrung. Für die Führung des großen Dekanatsbezirkes Bayreuth-Bad Berneck Süd ist es hilfreich, dass Jürgen Hacker schon 6 Jahre lang den kleinen Dekanatsbezirk Feuchtwangen geleitet hat und davor die große Gemeinde Weißenbrunn.
Zwar ist Thomas Guba als Dekan für die Region Nord auch für den Bereich der Diakonie verantwortlich. Doch bei Jürgen Hacker liegen die verantwortliche Begleitung von 23 Kirchengemein-den sowie der Bereiche Kirchenmusik, Krankenhaus-, Studierenden- und Telefonseel-sorge, die Einrichtungen der Gesamtkirchenge-meinde und die Kirchenverwaltung des Gesamt-dekanatsbezirks. Das trauen wir ihm zu.
Er ist Mensch mit Friedenskraft und Teamfähigkeit. Das war auch eine unverzichtbare Voraussetzung, um für diese Stelle in Betracht zu kommen. Denn der Dekanatsbezirk BT-BB wird von zwei Dekanen geleitet. Da braucht es einen Menschen, der den Partner im Amt nicht schwächen, schlechtreden oder kommunikativ ausgrenzen muss, sondern einen, der den anderen um des Reiches Gottes willen gerne unterstützt, stärkt und auch mit allen Schwächen lieben lernt. Ein Tandem-Dekanat braucht zwei echte geistliche Teamplayer. Das trauen wir den beiden zu.
Zuletzt: er ist ein Mensch mit grundsolider authentischer Frömmigkeit, die ihm selbst hilft im Dienst. Und andere werden rasch merken, dass man ihm vertrauen kann und bei seinen Predigten das Herz öffnen kann, weil er Hoffnung des Evangeliums hinein legt.
Ja, das alles ist er - und noch mehr. Aber der Erlöser, auf den wir warten, ist er trotzdem nicht. Nicht nur, weil Jürgen Hacker ein Mensch ist mit Fehlern und Schwächen, so wie ich und Sie alle – und das darf er auch sein; sondern weil es eben nur einen Erlöser gibt. Und auf den warten wir alle hier gemeinsam, auf Jesus Christus.
Wir glauben an die Ewigkeit bei ihm. Dort werden wir – wenn er uns heimruft - erlöst bei ihm leben. Und wir glauben, dass er in einer für uns völlig unbestimmbaren Zeit wiederkommen wird und die geschundene Welt als Heiland heilt und als Welten-richter richtet und dabei Frieden aufrichtet.
Und doch erwarten wir ihn auch schon jetzt in diesem Gottesdienst; dass er selbst Jürgen Hacker segnet und sendet. Und wir ihn hier mitten in dieser Welt, die sich von ihm oft gar nicht erlösen lassen will. - Ein Dekan hat ein wichtiges geistliches Leitungsamt. Wenn er gut leitet und das traue ich Jürgen Hacker zu, dann wird er nicht sich im Mittelpunkt sehen wollen, sondern er wird Menschen lehren, mitten in hektischer Arbeit, mitten in schwierigen Problemen auf Christus zu warten, etwas von ihm zu erwarten, auf ihn zu schauen: „Seht auf und erhebt Eure Häupter, weil sich Eure Erlösung naht“. Die Erlösung liegt immer in Christus. Lösungen können und sollen wir erarbeiten; Erlösung aus Angst und Sorge aus Eifersüchteleien und Unzufriedenheit, das schenkt nur Christus. Das schenkt er aber auch schon jetzt. Und dann wird auch das gemeinsame Arbeiten an Lösungen einfacher.
Ihr Lieben, der Dekan ist da. Das erwartungsvolle Warten geht weiter - mit ihm zusammen -, dass Christus uns, unsere Gemeinden und die Welt verwandelt.