Christustag in Bayreuth am 03.10.2017

Grußwort der Regionalbischöfin zum Christustag unter dem Motto: Frieden finden - allein im Glauben

Sehr geehrter, lieber Herr Dekan Roth, stellvertretend für das Veranstalterteam,
Sehr geehrte Gäste, lieber Landesbischof Dr. Rentzing und Professor Dr. Eckstein, willkommen in Bayreuth.
Sie alle grüße ich herzlich, liebe Schwestern und Brüder!

Ich danke allen, die sich für diesen Tag engagieren, ihn organisieren und mit Leben füllen – und dazu zählen auch Sie alle, die kommen. Wie gut, dass es den Christustag gibt! Warum?

Zwei Gedanken dazu und zum heutigen Thema „Frieden finden – allein im Glauben“.
Erstens: Die Gegenwart ist weniger Gott-vergessen als Christus-vergessen.
Ich habe den Eindruck, dass wir Christen, wenn wir von Gott reden, zu wenig von Christus reden. Dabei kommt Gott selbst in ihm zur Welt, zur Rettung der Welt. Christus ist es, der aus Unfrieden, Kriegen, Spannungen, Schöpfungszerstörung und auch aus Familienstreit herausführen, erlösen kann. Er ist der Friedefürst, der heilende Heiland, der große Befreier. Unsere Welt braucht ihn, die Menschen brauchen ihn. Lasst uns mehr von ihm reden!
Was sich nämlich die Menschen unter Gott vorstellen, reicht vom höheren unpersönlichen Wesen über einen harten gnadenlosen Richter bis hin zur esoterisch gelobten Energie, die uns niemals kritisch gegenübertritt. Ein solcher Gott hilft der Welt nicht, weil es ihn gar nicht gibt.
Gott ist – und da können wir Christen doch fröhlich gewiss sein – Gott ist so, wie er in Christus zu uns gekommen ist und wie Christus ihn uns gezeigt hat. Wer Christus sieht, sieht den Vater und auch der Heilige Geist ist eben der Geist, der in Christus wirkte. Wer und wie der dreieinige Gott ist, erschließt sich uns von Christus her. Kein „sola fide“ ohne „solus Christus“.
„Der Glaube ist ein steter unverwandter Blick auf Christus“ so Luther; und:  „Wo kein Glaube“ – also kein Glaube an Christus – „ist, da ist lauter Furcht, Angst, Scheu und Traurigkeit, sobald auch nur an Gott gedacht oder er genannt wird. Sogar Hass und Feindschaft ist in einem solchen Herzen“.
Das müssen wir uns auf der Zunge zergehen lassen, dass sogar durch das Denken an Gott „Hass und Feindschaft“ ins Herz getragen werden kann. Es kommt eben auf das Gottesbild an! Es gibt auch Gottesbilder, die Hass und Feindschaft in einer Gesellschaft schüren. Allein ein Gottesbild, das so ist, wie Christus es zeichnet und lebt, ist so, dass es Frieden bringt in diese Welt.

Das gilt – und das ist mein zweiter Gedanke - auch im Verhältnis der Religionen zueinander. Manche vermeiden im interreligiösen Dialog das Reden von Christus, weil sie denken, es hindert den Frieden zwischen den Religionen. Denn alle glauben an einen Gott, nur wir eben auch an Christus. So wird Christus als Unterscheidungsmoment verschwiegen.
Das halte ich für grundverkehrt – nicht nur weil wir es Menschen aller Religionen gegenüber schuldig sind, dass wir ihnen den Grund unserer Glaubensfreude unserer Liebe und unserer Hoffnung mitteilen; und der liegt nun einmal in Jesus Christus.
Viel mehr wird unser Glaube uninteressant für Anhänger anderer Religionen, wenn wir nur die Gemeinsamkeiten herausstellen und nicht auch, was bei uns besonders ist.
Vor allem: Wer ist es denn, der uns zur Liebe gegenüber Feinden ruft – auch gegenüber denen, die uns aus religiösen Gründen feindlich gesonnen sind?  Das ist niemand anderes als Jesus Christus. Ihn zu verleugnen im Verhältnis der Religionen, hieße gerade den verschweigen, der uns lehrt auch unser religionsverschiedenes Gegenüber, auch den Atheisten, auch den Moslem zu achten – ja zu lieben. Friede zwischen den Religionen ist noch ein steiniger Weg, doch in der Liebe Christi beginnt er.
Hinzu kommt: nichts ist missionarisch wirkungsvoller als diese Haltung der Liebe. Das sagen mir auch die vielen Iraner, die sich inzwischen zu unserer Gemeinde hier in Bayreuth halten und getauft sind.
Frieden im Herzen, Frieden in der Welt, ja Frieden gegenüber Menschen anderer Religionen, den finden wir im Glauben; eben im Glauben an Christus.
Gott segne den Christustag hier in Bayreuth.
Das Thema möge allen zur Erfahrung werden: Frieden finden – allein im Glauben.