Ansprache zur Gründungsversammlung Markgrafenkirchen e.V.

Ansprache von Regionalbischöfin Dr. Greiner in der Andacht zur Gründung des Vereins Markgrafenkirchen e.V. am 17.05.2017 in Bad Berneck

Liebe anwesende Gemeinde,
bei einer formalen Vereinsgründung wird wohl selten eine Andacht gefeiert. Bei unserer Vereinsgründung wäre es undenkbar ohne. Schließlich gründen wir den Markgrafenkirchen e.V.. Und Kirchen sind nun einmal in erster Linie Ort für Gottesdienst und Andacht.

Sie sind meist Eigentum einer Kirchengemeinde und doch gehören sie Gott und allen Menschen, die diese Kirchen lieben.
Diese Liebe zum heiligen Ort spiegelt sich besonders in Psalm 26. Dort heißt es:
„Herr ich habe lieb die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnt.“

Wir können nur lieben, was wir kennen. Und viele, viele Menschen – selbst in unserer Region kennen unsere evangelischen Markgrafenkirchen nicht oder nicht näher. Lieben hängt mit vertraut werden zusammen. Dieses Vertrautwerden wollen wir fördern.

Ich möchte gleich damit beginnen und Ihnen heute die Bernecker Kirche etwas vertrauter machen. Und ich will Ihnen dabei wenigstens einen typischen Zug der Theologie in Markgrafenkirchen nahe bringen, das Typische am Gottesbild.

Doch zuvor noch kurz zur Kirche als ganze:
Wir befinden uns hier in der jüngsten aller Markgrafenkirchen. Sie ist nicht, wie ihre älteren Schwestern im Stil des Barock oder Rokoko gehalten, sondern schon klassizistisch. Aus der barocken Vorgängerkirche sehen wir noch hinten den Mose – einst Kanzelfuß, von Elias Räntz geschaffen – und hier vorne das Altarkreuz.
Mit dieser Kirche endete die Ära des Baus von Markgrafenkirchen. Markgraf Alexander hatte ihren Bau noch angestoßen, doch als sie eingeweiht wurde im Jahr 1800, war er längst in England als Privatier und züchtete Pferde. Seine Markgrafschaften hatte er den Preußen verkauft. Doch der markgräfliche Hofbaumeister Riedel war noch da, der die Kirche markgräflicher Intention entsprechend plante, inclusive des schlichten Deckenstucks.

Er ist es, der auch die untypische klassizistische neue Stilrichtung nutzt, für die typische theologische Aussage der Markgrafenkirchen:
Wir finden in dieser Kirche alle drei klassisch-griechischen Säulenordnungen – außen die dorische, im Schiff die ionische, am Altar die korinthische. Mit der Dreizahl der verwendeten Säulenordnungen wird zum einen unterstrichen, dass es sich um eine Dreifaltigkeitskirche handelt.
Zum anderen wird die Säulenform immer schmuckreicher, je näher sie dem Kanzelaltar steht – quasi dem Anbetungszentrum der Ehre Gottes.

Überhaupt die Ehre Gottes: Der Gottesdienst in der Markgrafenzeit begann nicht – wie unsere Gottesdienste heute mit Begrüßung, Lied, Introitus, dann Kyrie und Gloria. Sondern das Gloria – der Lobpreis der Ehre Gottes - stand ganz am Anfang. „Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist“.
Das war auch der Grund, weshalb wir heute als Lied zu Beginn unser evangelisches Glorialied gesungen haben – allerdings anders als sonst in unserer Liturgie – haben wir heute alle Strophen gesungen. Denn in den Strophen wird der Glaube an den dreieinigen Gott entfaltet. Und genau dies war den Markgrafen von Bedeutung, dass unser Gott ein dreieiniger ist, ja ein dreifaltiger.
Das lag auch an der Auseinandersetzung mit dem Islam. Denn nach dem Untergang des christlichen Byzanz im Jahr 1453, dehnte sich das Osmanische Reich aus. 1683 stand das osmanische Heer vor Wien. Ab diesem Jahr gelang ein sukzessives Zurückdrängen. Daran war auch mancher Markgraf beteiligt. Markgraf Christian Ernst, gestorben 1712 schrieb aus dem Krieg an seine Gattin: „Man habe nicht mehr als vier- oder fünfhundert Mann verloren, „weiln die Türken sich so sehr über Hals und Kopf retiered haben“.
Er verstand sich als Beschützer des Abendlandes und dazu gehört auch der Schutz der Religion. Zum einen galt es das Land äußerlich zu sichern und zum anderen sich zu vergewissern, was man im Innern an Glauben und Kultur erhalten wollte. Der Hauptunterschied zwischen den anstürmenden muslimischen Völkern und den ansässigen europäischen war nun einmal die Religion und darin die Differenz im Gottesbild. Bis heute werfen einige Muslime den Christen Vielgötterei vor.
Gegen diesen Vorwurf betonen wir Christen dann in aller Regel die Einheit in Gott – allein schon in dem Begriff „dreieiniger“ Gott. Vielleicht aber fällt Ihnen auf, dass viele Markgrafenkirchen nicht Dreieinigkeitskirche heißen, sondern Dreifaltigkeit. Während das Wort Dreieinigkeit schon vom Wortsinn her die Einheit in Gott betont, legt das Wort Dreifaltigkeit Wert darauf, dass der eine Gott sich in dreifacher Gestalt und Weise in die Welt hinein entfaltet.
Schon die Stadtkirche in Bayreuth aus dem Jahr 1614 – die älteste von Markgrafen erbaute - ist eine Dreifaltigkeitskirche, ebenso Neudrossenfeld Baujahr 1757 oder auch unsere jüngste hier heißt so.
Die Markgrafen betonten nicht gegenüber den Osmanen die Einheit in Gott, sondern für das christliche Volk die Dreifaltigkeit, den Reichtum der darin besteht, dass unser Gott, der eins ist, sich dreifach entfaltet.

In keiner Markgrafenkirche fehlt das Goldene Dreieck als Grundsymbol für unseren christlichen Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist.
Zwar hält das Gottesbild in Markgrafenkirchen unzweifelhaft an der Einheit Gottes fest – Gott ist symbolisiert durch ein Dreieck und in dem Dreieck findet sich nur ein Auge, doch die Strahlen – in gewisser Weise auch eine Art der Entfaltung – gehen in alle drei Richtungen des Dreiecks und damit hinein in die ganze Welt.
Die Theologie der Markgrafenkirchen ehrt Gott als dreieinig, dreifaltig und – das ist nicht weniger betont als herrlich. Denn von ihm gehen wunderschöne Strahlen aus. Jahwe  - hier oben sehen sie auch den alttestamentlichen Gottesnamen – Jahwe lässt leuchten sein Angesicht, wie es im aaronitischen Segen heißt. Dieser Glanz, der von ihm ausgeht, ist so groß, dass wir den direkten Kontakt nicht ertragen würden. Daher werden Sie bei vielen dreieckigen Gottessymbolen einen Wolkenkranz um die Herrlichkeit Gottes finden. Durch den Kranz kommen nicht mehr alle Strahlen, doch immer noch genug, damit wir Gottes Güte erfahren. Hier im Gotteshaus baden wir in ihr in einer für uns ertragbaren Weise als Vorgeschmack auf die ewige Herrlichkeit bei Gott.

Man kommt diesem Gottesbild – wenn man einmal auf das Dreieck hingewiesen wurde - nicht aus. Dann entdecken Sie es natürlich auch im Kanzelaltar. Und Sie entdecken es sogar schon beim Betreten der Kirche. Schon über den beiden Säulen des angedeuteten Portikus haben Sie ein Dreieck mit Strahlen und in der Mitte das Auge. Es begrüßt sie und verabschiedet Sie – und das vollkommen identisch – egal zu welchem der drei Eingänge Sie die Kirche betreten haben.

Ob die Markgrafenkirchen uns auch ihr Gottesbild näher bringen? Viele haben ja Schwierigkeiten mit unserem christlichen Gottesbild, ob man es nun dreifaltig oder dreieinig nennt.
Ich freue mich an unserem christlichen Gottesbild, auch wenn ich nie behaupten würde, dass ich die Trinität verstanden hätte. Als eine, die immer verstehen will, erscheint es mir gerade Gott angemessen zu sein, dass mein Verstehen vor ihm glücklich kapituliert. Doch das Wenige, das ich an der Trinität meine verstanden zu haben, macht mich noch glücklicher.
Dreierlei greife ich heraus,  was wir ehren, wenn wir Gott als dreieinig oder dreifaltig ehren.
Erstens:
Wir ehren einen Gott, der in sich in Beziehung ist. Vater Sohn und Heiliger Geist stehen stetig in liebender Beziehung zueinander. Jedes Gottesbild jeder Religion hat Vorbildfunktion für den Menschen. Unser Gottesbild leitet uns hinein in ein Menschsein, das Beziehung lebt und pflegt und zwar als wesentlich. In Beziehungen Liebe empfangen und geben ist die Erfüllung unseres Lebens.
Zweitens:
Wir ehren Gott als einen, der mehr ist. Manche sind sehr fokussiert darauf, dass Gott der Schöpfer und Erhalter unseres Lebens ist. Doch Gott ist immer mehr. Er ist auch der, der uns in Jesus versöhnt mit sich und dem Vater; der ist der, als Heiliger Geist uns erlöst – auch von uns selbst - zu einem Leben in Liebe. Ein dreieiniges Gottesbild hat die Kraft uns aus unseren Vereinnahmungen Gottes und aus Einseitigkeiten unseres Gottesverständnisses herauszuführen. Gott ist immer mehr als ich beim Blick auf eine seiner Seiten sehe.
Und drittens tut er mehr. Da haben die Markgrafen schon einen wunderschönen ehrenden Gedanken gehabt, dass Gott sich selbst entfaltet in die Welt hinein. Von ihm geht etwas aus, das wir nicht haben. Dort, wo seine Strahlen ankommen, wo sein Licht hineinstrahlt, sei es seine Weisheit, sein Friede oder seine Liebe, erfahren wir etwas, das über unsere Möglichkeiten hinausgeht, weil es nicht von uns kommt. Wir empfangen Weisheit, Friede, Liebe aus dem Himmel, aus Gottes Welt. In seiner Nähe sind wir Beschenkte.
„Herr, ich lieb, die Stätte Deines Hauses und den Ort, da Deine Ehre wohnt.“
Es ist ihm eine Ehre uns zu beschenken.