Adventsmatinee der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge e.V.

Worte zum Advent von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner am 1. Dezember 2013 in der Adventsmatinee der ASF e.V. in St. Ägidienkirche in Thiersheim

Worte zum Advent I

Sehr geehrte Anwesende, vor allem liebe Mitglieder der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge und Angehörige, allen voran Frau von Waldenfels und Herr Grünwald

Bevor meine Worte zum Advent beginnen, einige herzliche Worte der Kontaktaufnahme.
Ich freue mich bei Ihnen zu sein. Seit ich von der Akademie Steinwald-Fichtelgebirge gehört habe, wollte ich mehr darüber erfahren. Denn sie schien mir auf Anhieb gut, vor allem aus zwei Gründen:
Zum einen tragen Unternehmer und Unternehmerinnen ihre Verantwortung häufig alleine. Außerhalb der Familie ist der Freundeskreis oft klein, weil man gar nicht dazu kommt, ihn zu pflegen. Ein Verein, dem sich Mittelständler anschließen können, schafft einen Raum lockerer Verbundenheit, aus der auch mehr werden kann.
Zum anderen ist ein Kirchenmusiker Ihr Geschäftsführer. Das gab mir die Hoffnung, dass in der ASF der christliche Glaube eine selbstverständliche Dimension ist. Dass Sie Prof. Hipp eingeladen haben im April dieses Jahres, um über Unternehmensführung mit christlichen Werten zu referieren – und heute Frau Pfarrerin Schütz und mich -  bestätigt dies.
Beide Gründe – die Verbindung zwischen Unternehmern und die Stärkung der christlichen Dimension - waren auch für mich Motiv, den AEU, den Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer Franken/Oberpfalz, ins Leben zu rufen. Ich wollte mit dem AEU keine Konkurrenz zu Ihnen schaffen; als ich ihn gründete, wusste ich noch nichts von Ihnen. Konkurrenz wäre mir fremd. Im Gegenteil, ich freue mich sehr, wenn AEU-Mitglieder zu Veranstaltungen des ASF kommen und umgekehrt. Denn die Sache ist jeweils wirklich gut.
Und so bin ich sehr gerne bei Ihnen. Zwei Motive für mein Kommen treten ja noch hinzu.
Zum einen: Ich stehe für eine Kirche, die auf Unternehmer zugeht und zeigt: Arbeitnehmer sind uns wichtig, doch Arbeitgeber auch. Unternehmer und Unternehmerinnen sind eine unverzichtbare und tragende Gruppe unserer Gesellschaft. Wir brauchen sie und wollen ihnen als Kirche den Rücken stärken in ihrer verantwortlichen Unternehmensführung und seelsorgerlich in ihrem Leben.
Zum anderen: Heute ist 1. Advent. Solch eine Matinee zu tut uns gut, damit der Advent auch in uns beginnt. Jetzt  also meine Worte zum Advent.
Advent heißt übersetzt „Ankunft“. Wir warten auf die Ankunft Jesu Christi in der Welt und in unserem Leben.
Dreimal soll ich in dieser Matinee Worte zum Advent einbringen.
Die ersten beiden Male lese ich Ihnen ein Bibelwort zum Advent - das erste aus dem Alten Testament, das zweite aus dem Neuen Testament.
Beim dritten Wort zum Advent erzähle ich eine Gegenwartsgeschichte mit einigen adventlichen Gedanken.

Nun also das alttestamentliche Bibelwort: Zweihundert Jahre bevor Jesus geboren wurde, kündigt ein Prophet mit Namen Sacharja das Kommen eines Friedenskönigs an.
Seit Jesus geboren ist, bekennen wir Christen: Wir glauben, dass Jesus Christus dieser Friedenskönig ist.

Dieses Bibelwort wird in Ihnen Bekanntes wachrufen, denn das Lied, das wir gerade gesungen haben, basiert auf diesem Bibelwort.
Ich lese Sacharja 9, die Verse 9 und 10.
   
9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einen Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10 Denn ich will die Wagen wegtun aus Ephraim und die Rosse aus Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden.
Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum anderen und vom Strom bis an die Enden der Erde.
 

Worte zum Advent II

Worte zum Advent. Paulus schreibt aus dem Gefängnis einen Brief an die Gemeinde in Philippi.
Im Gefängnis tröstet ihn eine große Hoffnung: Jesus ist gestorben und auferstanden. Doch der Auferstandene kommt wieder. Seine erneute Ankunft steht unmittelbar bevor. Jesus Christus ist ganz nah.

Ich lese aus dem Philipperbrief: Kapitel 4, VV 4-7:

Freuet euch in dem Herrn allewege, / und abermals sage ich: Freuet euch!
Eure Güte lasst kundsein allen Menschen!
Der Herr ist nahe!
Sorgt euch um nichts, / sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kund werden!
Und der Friede Gottes, / der höher ist als alle Vernunft, /bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Worte zum Advent III

Eine Adventsgeschichte.
Eine Frau erwartet hohen Besuch. Wann genau seine Ankunft sein wird, weiß sie nicht. Wahrscheinlich irgendwann am Nachmittag. Sie fängt lieber frühzeitig mit den Vorbereitungen an. Sie putzt die Toilette, saugt Flur, Esszimmer, Wohnzimmer, rührt den Kuchenteig, stellt ihn in den Backofen, geht nochmals ins Wohnzimmer. Nein, der Teppich ist wirklich nicht mehr strahlend.
Im Garten ist noch eine alte Teppichstange und einen Teppichklopfer hat sie auch noch. Kurz entschlossen, rollt sie das gute Stück zusammen und zieht es die wenigen Treppenstufen zum Hauseingang hinunter. Sie versucht den Teppich aufzuhuckeln. Das Ding ist doch schwerer als gedacht.
Da geht gerade ein Mann am Gartenzaun entlang, bleibt am Gartentor stehen und fragt – als er sieht, wie sie sich abmüht: „Kann ich helfen?“
Sie sagt nicht nein. Er hieft den Teppich auf die Stange. „Sie wollen ihn wohl klopfen?“, fragt er. „Ja“. „Na, das habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Sollen wir uns abwechseln?“
Sie nickt dankbar. Viel Staub kommt gar nicht mehr heraus. Bald sind beide zufrieden.
„Darf ich Ihnen behilflich sein und ihn hineintragen in die Wohnung?“ Nun, die Dame hat Vertrauen gefasst und ist nicht unfroh über sein Angebot. Er hat doch deutlich mehr Kraft als sie.
Der Kuchen! Ruft sie. Sie stürzt in die Küche und rettet den Kuchen noch zur rechten Zeit.
Sie legen den Teppich, stellen Tisch und Stühle darauf. Tischdecke auf den Tisch, Kuchen in die Mitte.
„Uff“, stöhnt sie und lässt sich auf einen Stuhl fallen. „Jetzt kann mein Besuch kommen“.
„Wieso?“ fragt er. „Ich bin doch schon da.“

Meine Lieblingsadventsgeschichte.
Drei Gedanken zu allen drei Texten.
In  beiden Bibelworten und dieser Erzählung drückt sich Vertrauen und Erwartung aus, dass der Friedenskönig, der Herr, der fremde Gast kommt, dass er nahe ist.
Alle drei sind Adventstexte, denn im Advent  er-warten und ersehnen wir das Kommen Jesu Christi.
Warum ersehnen wir im christlichen Glauben überhaupt das Kommen Jesu Christi? Wir wissen doch, dass er schon gekommen ist. Jesus wurde vor 2000 Jahren geboren und lebt als Auferstandener.
Und doch: Wir sehen ihn eben nicht; erst wenn wir bei ihm sind in der Ewigkeit, werden wir ihn sehen. Noch sind wir in dieser Welt, auf der Erde und die ist nicht der Himmel. In dieser Welt ist vieles nicht gut, ist vieles nicht so, wie Jesus es wollte.
Wir sehnen uns
-    nach Frieden zwischen den Völkern und in unserer Umgebung,
-    nach Freiheit von Druck,
-    nach echter Liebe zwischen uns Menschen,
-    nach Kraft zum Tun des Richtigen und Guten,
-    nach Barmherzigkeit, wenn dieses Tun des Richtigen und Guten eben nicht gelingt.
All dies brachte Jesus den Menschen, die damals mit ihm lebten. Und er bringt das alles in das Leben der Menschen, die sich heute an ihn halten und im Gebet in Verbindung mit ihm stehen.
Doch diesen Kontakt zu Christus im Gebet haben viele Menschen – obwohl sie Kirchenmitglied sind – nie wirklich erfahren. Manchen Menschen ist diese betende Verbindung zu Christus im Laufe der Jahre auch verloren gegangen. Und vielen Christen geht sie immer wieder im Tagesgeschäft verloren – auch mir.
Daher ist die Sehnsucht so angebracht. Beten Sie: Komm in diese Welt Jesus, komm auch in meine Welt. Sei stärker spürbar in meinem Leben. Ich brauche all das: das Gefühl von Frieden in mir, das nicht verfliegt, Freiheit, Liebe, Kraft, Barmherzigkeit. All das brauche ich für mich selbst und will es auch verströmen in mein Umfeld. Darum komm zu mir.
Der Advent ist eine Zeit, die neue Sehnsucht nach Christus weckt in uns.
Unterschätzen wir nicht die Kraft solcher Sehnsucht und solchen Gebets.

Der zweite Gedanke:
Der Advent ist eigentlich eine Fasten- und Bußzeit. Buße ist ein „fröhliches Geschäft“, meinte Martin Luther und ich stimme zu.
Die Seele reinigen: Das macht – so wie die Reinigung des Hauses in der Geschichte - zwar Mühe; doch es lohnt sich. Es macht Mühe, den Teppich zu heben, die eigenen Schattenseiten und auch Schuld nicht zu verdrängen.
Keiner von uns lebt, ohne irgendwo immer wieder ein schlechtes Gewissen zu haben – und wer keines hat,  ist wahrscheinlich zu abgebrüht geworden. Wir bleiben vielen Menschen etwas schuldig; und wenn es Familienmitglieder sind, dann tut uns das in stillen Stunden besonders weh.
Christus nimmt uns an, mit unseren Grenzen und Schwächen und verändert uns doch.  Der Advent als Bußzeit ist dazu da, diese Schattenseiten ihm hinzuhalten, zu sagen: Vergib mir. Hilf mir, aus der Kraft Deiner Liebe zu leben.
Ein Mensch, der mit Christus seine Seele reinigt, ist hinterher garantiert mit mehr fröhlichem Schwung und Kraft mitten im Leben als zuvor. „Freuet Euch in dem Herrn“. Der Advent als Bußzeit macht fröhlich.

Der dritte und letzte Gedanke:
Die Frau hat ihren Besuch erwartet, aber nicht gekannt. Als er kommt, erkennt sie ihn nicht. Ich glaube, so ist das auch oft, wenn Gott in unserem Leben ist. Er ist da und wir merken es nicht. Gott ist nah.
Er ist so nah, wie die Luft auf unserer Haut. Der Himmel ist um uns. Manchmal ist er uns verschlossen. Doch die öffnende Tür zur Welt Gottes ist das Gebet. Am Ende der Martinee singen wir von dieser Tür und wir öffnen Sie gleichzeitig mit der Bitte im letzten Vers: „Komm oh mein Heiland Jesus Christ, meins Herzens Tür Dir offen ist“.
„Ich bin doch schon da“ – sagt der Fremde in der Geschichte. Ja, manchem ist Christus fremd geworden. Doch Christus wird jedem Menschen vertraut, sobald er zulässt, dass Jesus ihm hilft, wie der Fremde jener Frau geholfen hat, mitten im Alltag. Christus hilft zu tragen und entlastet. In all dem Stress bringt er Frieden.
Was tun wir den lieben langen Tag morgen, wenn die Arbeit wieder los geht? Da genau da will Christus uns zur Seite stehen. Mitten in einem schwierigen Gespräch die kurze Bitte an ihn: „Hilf“. Vor einem duftenden Essen, das kurze Innehalten: „Danke“. Ein kurzer Gedanke nur - und wir erfahren:
Christus ist nah.
Amen.