Einweihung der Matthäuskirche in Buttenheim

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zur Einweihung der Matthäuskirche in Buttenheim am 22.09.2013 zu Matthäus 5,14

Liebe Festgemeinde!
Ein kurzes, prägnantes Bibelwort habe ich für Sie zur Einweihung der Matthäuskirche ausgewählt: Christus spricht: Ihr seid das Licht der Welt. Wir finden es im Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 14.
Es ist ein Zuspruch für Sie alle, die Sie heute mitfeiern und ein Zuspruch insgesamt für die Buttenheimer Gemeinde.
Grundvoraussetzung meiner Wahl des Bibelwortes war natürlich, dass es im Matthäusevangelium steht. Denn der Kirchenvorstand hat beschlossen, dass diese Kirche eine Matthäuskirche sein soll. Pfarrer in Ruhe Erwin Pfaff hatte  die Idee zum Namen, der sich nahe legt, weil gestern der Tag des Apostels und Evangelisten Matthäus war.
Kirchennamen orientieren sich häufig am Heiligenkalender. Und Matthäus ist schon einer der wichtigsten Heiligen. Matthäus war einer der 12 Jünger Jesu. Seine Berufungsgeschichte haben wir in der Evangeliumslesung vorhin gehört. Und zudem verbinden wir mit seinem Namen das erste neutestamentliche Evangelium.

Was ist das Besondere am Matthäusevangelium?
Vieles. Z.B. steht die Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland nur bei Matthäus.
Die wichtigste Besonderheit ist aber wahrscheinlich die Linie, die sich durch dieses Evangelium zieht: Nur das Matthäusevangelium nennt Jesus auch „Immanuel“ und zwar gleich programmatisch im ersten Kapitel. Immanuel heißt übersetzt: Gott mit uns. In Jesus ist Gott da und uns nah.
Nur im Matthäusevangelium steht der so genannte Taufbefehl: Christus spricht „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich Euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das Matthäusevangelium spannt also einen Bogen vom Anfang bis zum Ende, vom Beinamen Jesu als „Immanuel“ – Gott mit uns - bis zu dieser Zusage „ich bin bei Euch“. Matthäus will sagen: Wer an Jesus glaubt, dem ist Gott nah.

Eine neue Kirche, noch dazu mit Glockenturm, ist nicht nur irgendein Kulturgebäude; sondern eine Kirche erinnert an die Nähe Gottes mitten im Leben. Eine Kirche mitten im Ort ist ein Symbol dafür, dass Gott mitten im Leben bei uns ist und uns begleitet. Nur haben wir dafür manchmal keinen Sensus. Auch deshalb braucht es Kirchen. Sie sind sinnlich wahrnehmbare Verweisorte auf die Gegenwart Gottes im Ort.
Ich beglückwünsche den Kirchenvorstand, dass er den Anfangsgedanken, ein Gemeindehaus zu bauen, mehr und mehr transformierte in den Gedanken: Wir wollen eine Kirche. Denn eine Kirche hat eine andere Aussagekraft als ein Gemeindehaus. Ein Gemeindehaus steht für die Gemeinschaft der Christen untereinander. Eine Kirche steht für die Gegenwart Christi im Wort und in Brot und Wein, die Gemeinschaft unter uns stiftet. Sie haben hier auch schöne Gemeinschaftsräume gewonnen. Doch Sie bekennen darüber hinaus im Kirchenbau: Unsere Gemeinschaft hat ihre Mitte in Christus.
Danke, lieber Architekt Gatz, dass Sie diesen konzeptionellen Wandel vom Gemeindehaus zur Kirche mitgemacht haben. Kein Wunder, dass Sie die Idee hatten mit Pilgerstäben hier einzuziehen. Denn Sie selbst mussten sehr beweglich sein und diese Veränderung offensiv gestalten. Das ist Ihnen gelungen. Sie mussten buchstäblich pilgern um am Ende der Bauphase an einem heiligen Ort anzukommen. Ja, und nun sind wir wirklich beim Bauziel Kirche angelangt. Die wertvolle Außenhaut, die Dachkonstruktion und der Glockenturm lassen dieses Gebäude schon von außen deutlich als Kirche erkennbar werden. Vielleicht kommt irgendwann sogar noch ein Kreuz auf Glockenturm oder Kirche, wenn wieder Geld da ist.
Allen, die am Werden dieser Kirche beteiligt waren möchte ich zusprechen: Ihr seid darin Licht der Welt gewesen: Exemplarisch nenne ich den Kirchenvorstand, die Pfarrer, - die vertretenden Schäfer und Harder nicht zu vergessen, - den Gemeinderat allen voran Bürgermeister Kalb, den Spender des Glockenturms Dr. Koch und alle Spender und Spenderinnen großer und kleinster Summen, auch heute durch Einlagen im Gottesdienst. Und nicht zu vergessen alle Handwerker, denen es eine Ehre und Glaubensfreude war, am Werden einer Kirche beteiligt zu sein.

Warum waren Sie in Ihrem Engagement für diese Kirche Licht der Welt? Weil es zum christlichen Glauben gehört, dass er sich nicht versteckt, sondern sichtbar wird wie ein Licht in der Nacht, wie eine Stadt auf dem Berg. Das wird deutlich aus den benachbarten Versen unseres Bibelwortes.
Zu den Besonderheiten des Evangelisten Matthäus gehört eben auch die berühmte Bergpredigt.
Die Bergpredigt beginnt mit den Seligpreisungen, enthält das Vaterunser und sie enthält als einziges der vier Evangelium jenen Zuspruch: „Ihr seid das Licht das Licht der Welt.“ – Und nun lese ich weiter. – „Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Die Matthäuskirche ist keine Stadt auf dem Berg, aber ein erhebender Ort mitten in der Marktgemeinde. Obwohl die Matthäuskirche klein ist, fällt sie auf. Dafür sorgt schon die Lichtbrechung zum Grün in der Außenhaut. Sie bleibt nicht verborgen, so wie unser Christsein nicht verborgen bleiben soll. Matthäus will, dass wir als Christen erkennbar sind. Und wir sind es auch durch erkennbare Gebäude, die wir bauen und in die wir gehen.

Dieses Bibelwort habe ich auch aus einem zweiten Grund gewählt. Es handelt vom Licht. Die Matthäuskirche ist durch ihren besonderen Lichteinfall geprägt. Innen ist ihr größter Schmuck das grün schimmernde Licht, das durch die beiden großen Dreiecksgiebelfenster von Osten und von Westen einfällt. Der Altar steht nicht wie meist üblich im Osten der Kirche. Trotzdem ist die Kirche in gewisser Weise geostet, weil sie durch diese Giebelfenster eine starke Ost-Westachse hat.
Auch die Nordseite ist geprägt durch das große, das Licht reflektierende, Fenster.
Nicht nur die besondere grüne Außenhaut, sondern auch der Lichteinfall gibt diesem Gebäude Kirchencharakter. Licht war für christliche Kirchen immer schon ein entscheidendes Schmuckelement. Schließlich spielt in unserem Glauben die Lichtsymbolik eine wesentliche Rolle.
Das erste Wort, das Gott – gemäß der ersten Schöpfungsgeschichte – spricht, ist: „Es werde Licht“. So beginnt das Alte Testament. Und das Neue Testament nimmt diese Lichtsymbolik auf durch starke Worte wie dieses: Christus spricht: „Ich bin das Licht der Welt, wer mir nachfolgt wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben“.
Nur darum können wir als Christen Licht der Welt sein, weil wir an einen Gott glauben, der im tatsächlichen und übertragenen Sinne selbst Licht schafft. Wir können Licht sein, weil wir an Christus glauben, der wie kein anderer die Finsternis jeder Art vertreiben kann durch sein Licht der Liebe und Klarheit.
„Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht; und über denen, die da wohnen im finstern Lande scheint es hell.“ Sie kennen vielleicht auch dieses Bibelwort aus dem Propheten Jesaja, das meist im Advent zitiert wird. Raten Sie, welcher Evangelist, der einzige ist, der es aufnimmt? Natürlich Matthäus. Er sagt damit: In Jesus ist dieses große Licht da. Aber sagt damit auch: Wir sind ein Volk, das im Finstern wandelt.
Wohl wahr! Wenn wir die Augen nicht verschließen, dann sehen wir viel Dunkles in unserem Land: Die Drogenabhängigkeit und Drogenkriminalität mit Crystal Speed nimmt zu; Menschen werden tendenziell einsamer, weil das familiäre Sozialgefüge bei allzu vielen nicht mehr trägt; Unmengen an Lebensmittel wandern bei uns in Deutschland in die Tonne, weil die Haushalte viel zu viel einkaufen; die psychischen Krankheiten nehmen zu, weil Menschen unsere gesellschaftstypischen Überforderungen nicht mehr aushalten. Es wird nicht alles schlechter in unserem Land. Jede Zeit hat ihre jeweiligen Dunkelheiten.
Was hat das mit Christus zu tun? Ich glaube, dass nirgendwo so viel Kraft zur gelingenden Veränderung für politische und private Gefüge ist, als dort, wo die Liebe und Klarheit Jesu Christi in Menschen wirksam wird und durch Menschen durchscheint. „Dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert“, bittet Franz von Assisi. „O Herr mache mich zu einem Werkzeug Deines Friedens: dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt, dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht, dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt; dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert“.
Darum bittet Franz von Assisi Christus, weil er weiß, dass Christus helfen kann, so zu leben. Wir sind nicht vollkommen. Aber pilgernd sind wir zu dieser Lebensweise unterwegs. Wenn wir uns von Christus so verwandeln lassen, können wir gar nicht mehr verhindern, dass wir Licht der Welt sind und Hoffnung verbreiten.
Hier in der Kirche ist ein Ort, an dem wir uns von seinem Licht bescheinen lassen können, an dem wir bitten können um seine Liebe und Klarheit, ein Ort an dem Christus uns Anteil gibt an sich selbst.

Unser Predigtwort „Ihr seid das Licht der Welt“ wäre kein Zuspruch, sondern eine Zumutung eine riesige Überforderung, wenn nicht klar wäre, an wen wir glauben: an Christus, der das Licht dieser Welt ist, der uns verwandelt und durch uns scheint. So aber ist dieser Zuspruch keine Zumutung, sondern ein großes Zutrauen, das Christus in uns hat.
Vielleicht sagen Sie: Ich bin doch nur ein kleines Licht. Das sind wir alle, mehr oder minder im Verhältnis zu Jesus Christus. Doch auch kleine Lichter entfalten große Wirkung. Eine Kerze ist ein kleines Licht. Doch auch Kerzen sind wichtig. Die letzte Handlung im Gemeindesaal war das Ausblasen der Osterkerze und der Altarkerzen. Die erste Handlung war, sie hier zu entzünden. Was wäre ein Gottesdienst ohne Kerzen auf dem Altar?
Kleine Lichter, große Bedeutung, weil sie für Christus in Gebrauch genommen werden. Christus braucht Euch an Eurem Ort. Wo immer Ihr wohnt und arbeitet, will Christus durch Euch leuchten, Licht ins Leben dieser Welt bringen. Ihr seid das Licht der Welt.
Ihr Lieben, nehmt diesen Zuspruch an. Christus glaubt an Euch.
Amen.