100-jähriges Kindergartenjubiläum Sophienheim Michelau

Kurzpredigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zum 100-jährigen Kindergartenjubiläum Sophienheim Michelau am Sonntag Rogate 5. Mai 2013

(Foto: Klaus Hagel)

Liebe Festgemeinde, vor allem liebe Kinder!

Könnt Ihr beten?
Das Bibelwort, das uns vorhin vorgelesen wurde, handelte vom Beten und wie wir richtig beten.
Ich glaube, Ihr könnt beten. Ihr habt das schon gelernt.

Eigentlich gibt es zwei einfache Gebete, die kann jeder:
Das eine fängt an mit:
„Danke, lieber Gott…“
Und dann sagen wir ihm einfach, wofür wir ihm dankbar sind.
z.B.: „Danke für meine Mama“, „danke für meinen Papa“
und Eure Eltern können sagen: „Danke für unser Kind“.
Und das andere Gebet fängt an mit:
„Bitte, lieber Gott…“
Und dann sagen wir ihm, was wir brauchen.
„Bitte hilf mir. Sei bei mir.“
Bleiben wir erst mal beim Danken. Denn ich glaube, wir haben heute Grund, „danke“ zu sagen.

Denkt mal an Euer Sophienheim. Was ist für Euch schön darin?

Dass die Wände so hell gestrichen sind.

Dass die Fenster groß sind.

Ich habe bei meinem Besuch vor ein paar Tagen etwas darin entdeckt, was mir besonders gut gefällt: Unten in dem Raum gleich rechts ist ein Stück ganz alte Tapete zu sehen. Zu sehen sind Kinder, die sich an der Hand halten. An dieser Tapete erkennt man, wie alt der Kindergarten schon ist. Diese alte Tapete ist eine kleine Kostbarkeit.

Heute sagen wir:
Danke, lieber Gott, für unser schönes Sophienheim.

Ich glaube, alle Mitarbeitenden im Kindergarten sind richtig dankbar, dass die Zeit der Renovierung vorbei ist. So nett es in der Turnhalle manchmal war, so mühsam war es doch für die Gruppen im Gemeindezentrum. Die Gruppenräume waren im Obergeschoss und die Toiletten im Erdgeschoss. Kein Garten war da zum freien Spielen. Die Renovierungszeit hat viel Nerven gekostet.
Mit und für die Mitarbeitenden sagen wir:
Danke, lieber Gott, dass die Renovierungszeit vorbei ist und wieder gute Arbeitsbedingungen bestehen.
Als ich Eure Barbara gefragt habe, was ihr besonders gut an dem Sophienheim gefällt, sagte sie: „dass es so alt ist“. Dass jemand oder etwas schon so alt ist, ist etwas Gutes und Besonderes. Ihr seid doch auch stolz, dass ihr schon drei, vier, fünf oder schon sechs Jahre alt seid. Wie viel mehr können wir stolz sein, dass unser Kindergarten schon 100 Jahre alt ist.
Es wäre billiger gewesen, bei der Renovierung, das Sophienheim abzureisen und einen neuen Kindergarten zu bauen. Doch da hätten viele Michelauer revoltiert. Ihr Sophienheim hätten sie sich nicht nehmen lassen.
Mit Barbara sagen wir:
Danke, lieber Gott, dass wir einen Kindergarten im Ort haben, der schon so alt ist und dem sich so viele Menschen im Ort verbunden fühlen.

Ja, sogar viele von den alten Menschen, die nebenan im Katharina-von Bora-Haus wohnen, haben schon als Kinder in Eurem Sophienheim gespielt und gesungen. Wenn sie Euch Kinder sehen, dann erinnern sie sich daran, wie sie selbst, als sie klein waren, im Sophienheim gespielt haben. Und sie freuen sich.
Mit den alten Menschen sagen wir:
Danke, lieber Gott, dass wir als Kinder schöne Zeiten im Sophienheim hatten. Danke für die Kinder, die dort jetzt behütet spielen.

Warum sagen wir eigentlich dem lieben Gott „danke“ für das alles?
Zwei Gründe:
Der eine: Weil wirklich alles Gute von Gott kommt. Weil er uns so viel Gutes schenkt, verdient er es auch, dass wir ihm „danke“ sagen.
Und der zweite Grund: Weil wir dadurch selbst fröhlich und dankbar werden. Menschen, die Gott danken, werden glücklicher.

Darum bin ich auch so froh, dass Ihr Kinder schon in Eurem Morgenkreis lernt Gott „danke“ zu sagen.
Manchmal sagt ihr vielleicht auch „danke“ mit einem Lied, z.B. singt ihr manchmal:
„Ich sag dir guten Morgen“. Und der dritte Vers heißt: „Gott schenkt uns diesen Morgen, weil er uns gerne mag. Wir danken für den Morgen und bitten für den Tag.“
Und manchmal sagt ihr auch eure Bitten in einem Lied:
„Halte zu mir guter Gott, heut, den ganzen Tag.
Halt die Hände über mich, was auch kommen mag.“
Oder:
„Guter Gott, ich bitte dich: schütze und bewahre mich, lass mich unter Deinem Segen leben und ihn weitergeben.“ Das werdet ihr auch nachher singen. Dieses Lied ist ein gesungenes Gebet.
Und der liebe Gott hört Eure gesungenen und gesprochenen Bitten und wird Euch begleiten Eurer ganzes Leben lang. Ihr seid nie allein.

Warum bitten wir Gott? Weil wir dann mit viel mehr Mut und Vertrauen leben können. Wir brauchen uns keine falschen Sorgen machen. Gott kümmert sich um uns.

Nun gibt es noch ein besonderes Bittgebet. Jesus selbst hat es uns beigebracht. Es ist das wichtigste Gebet, das wir Christen haben.
Ob ihr das auch schon kennt? Wenn nicht, dann lernt ihr es bald.
Es ist ein Gebet mit sieben Bitten.
Erst reden wir Gott an mit:
„Vater unser im Himmel“
Dann komm die erste Bitte:
„Geheiligt werde Dein Name“
Das bedeutet: „Alle, die von Gott reden, die sollen ihn dabei auch lieben und ehren“.
Die zweite Bitte:
„Dein Reich komme“
Das bedeutet: Bei Gott ist alles voll Frieden und Liebe und Freude und Gerechtigkeit. So soll es werden auch bei uns.
Die dritte Bitte:
„Dein Wille geschehe“
Was Gott will, ist gut. Das soll auch geschehen, überall.

Nun, ich will nicht alle sieben Bitten erklären. Vielmehr möchte ich anregen, dass Ihr im Kindergarten dieses Gebet einmal folgendermaßen betet:
Eure Leiterinnen oder Pfarrer Höhr, wenn er Euch besucht, beten Euch die Bitten des Vaterunsers vor:
Und ihr sagt dann einen Kehrvers:
z.B. so:
„Unser Vater im Himmel,
Dein Name werde geheiligt“
-    „auch in unserem Sophienheim“
„Dein Reich komme“
-    „auch in unserem Sophienheim“
„Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden“
-    „auch in unserem Sophienheim“.

Und wenn Schulkinder in die Schule kommen, kann der Kehrvers lauten:
-    „auch in der Schule.“

Ihr könnt auch an zu Hause denken, und als Kehrvers sagen:
-    „auch in unserer Familie.“

Ihr könnt auch an ein Land denken, das gerade unter Krieg schwer leidet und beten:
-    „auch in Syrien“.

Wir können und sollen das Vaterunser auf unser Leben beziehen, auf unsere Welt. Es hat mit unserem Leben zu tun und kann unser Leben verändern.

Am Ende meiner Predigt, verrate ich Euch noch, wie das Vaterunser endet. Es endet nicht mit einem Dank, nicht mit einer Bitte, sondern mit einem Lob. Wir loben Gott dafür, wie er ist:
„Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.“
Dieses Lob bedeutet: Gott ist groß. Wir vertrauen, dass sein Reich, seine Kraft und seine Herrlichkeit sich durchsetzen werden, auch im Sophienheim, auch in unserer Familie, auch in dieser Welt.

Darum gehen wir fröhlich in die Zukunft. Die nächsten 100 Jahre sind angebrochen. Und unser Vater im Himmel wird mit Euch gehen.

Amen.