Ordination von Pfarrer z.A. Holger Manke

Predigt von Regionalbischöfin Dr. Dorothea Greiner zur Ordination von Pfarrer z.A. Holger Manke am 3. Februar 2013 in der Christuskirche Ebern zu Lukas 8,4-8

Liebe Gemeinde, besonders lieber Herr Vikar Manke!

Heute werden Sie ordiniert. Sie sind noch Vikar, doch mit der Ordination sind Sie geistlich gesehen bereits Pfarrer unserer Kirche, auch wenn das rechtliche Pfarrerdienstverhältnis erst zum 1. März nachfolgt. Wer sich daher heute nach der Ordination hinreißen lässt, Sie als Pfarrer anzureden, liegt damit theologisch völlig richtig.
Das Evangelium des heutigen Sonntags ist so passend, dass ich es als Grundlage meiner Ordinationspredigt wähle. Wir haben es vorhin schon gehört. Es ist das Gleichnis vom Sämann. Lieber Bruder Manke, der Sämann sind heute Sie. Schließlich werden Sie heute berufen, gesegnet und gesendet, öffentlich das Evangelium in Wort und Sakrament zu verkünden, es unter den Menschen wie Samenkörner auszustreuen. Sie werden heute nicht nur ordiniert für Ihren Weg nach Sopron, sondern zum lebenslangen Dienst an Wort und Sakrament. Sie sind von jetzt an Sämann, Sie sind von jetzt an Pfarrer und die Welt wird Ihr Feld, wo auch immer Sie hingesandt werden.

Auf einem Bild von Vincent van Gogh mit dem Titel „Der Sämann“ wird ein Bauer dargestellt, der über einen Acker schreitet. Er hat eine Schürze und einen Sack voller Körner umgebunden und wirft den Samen. Ihre Schürze, lieber Bruder Manke, ist der Talar. Den werden Sie immer tragen, wenn Sie predigen.
Doch ein Pfarrer wirft auch Samenkörner, wenn er keinen Talar anhat. Er hat immer welche in der Hosentasche dabei, sogar in der Freizeit. Nicht, dass ein Pfarrer keine echte Freizeit hat. Das stimmt nicht, das braucht er, um gesund zu bleiben und Ehe und Familie brauchen das auch, um glücklich zu sein. Doch manchmal ergeben sich gerade nebenbei die besten Gelegenheiten einen Satz des Glaubens zu sagen, der dann weiterwirken kann.
Dem Evangelium zu dienen ist als Pfarrer unser Leben. Wie schön, liebe Frau Manke-Lackner, dass Sie beide sich dieses Leben teilen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Lebensaufgabe meinen Mann und mich als Eheleute nochmals mehr verbunden hat. Möge das bei Ihnen auch so sein.

Ich möchte an dieser Stelle Ihnen, liebe Frau Manke-Lackner, dafür danken, dass Sie in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Holzhausen und Uchenhofen und manchmal auch in Nachbargemeinden kräftig gesät haben. Sie waren und sind ein Geschenk des Himmels. Ich erkläre hiermit öffentlich, dass Sie, sollten Sie aus Ungarn in einigen Jahren zurückkehren wollen, von Herzen gerne wieder auf einer Stelle des Kirchenkreises Bayreuth als Pfarrerin Dienst tun können. Ich werde mich persönlich dafür einsetzen und bin sicher, wir werden eine Stelle für Sie finden, bzw. eineinhalb oder zwei für das Ehepaar. Es ist wunderbar, dass es inzwischen nicht nur Sämänner, sondern auch Säfrauen gibt, wenngleich mein Rechtschreibprogramm mir das Wort unterringelt hat. Säerin akzeptiert er. Jedenfalls: Danke für Ihr Säen und Gottes Segen auch für Ihren gemeinsamen Weg als Säleute des Evangeliums.

Im Bild von Vincent van Gogh geht ein Mensch über dunkelbraune Erde, über seinem Kopf die große gelbe Sonne, der Himmel wirkt hellgrün, als ob sich schon im Himmel abbildet, wie die Erde einst grünen wird. Der Sämann selbst ist ganz in der Bewegung des Säens.
Breitsaat, nennt man diesen Vorgang. Seit etwa 1930 erst gibt es die maschinelle Drillsaat, in der Maschinen in Reihen in programmierten Abständen ein Samenkorn legen für Mais und Zuckerrüben etwa. Für Getreide braucht es die Breitsaat, die maschinell oder manuell gestreut wird; nichts in Reih und Glied, sondern mit Schwung in die Fläche.
Mit solch einer schwungvollen Breitsaat vergleicht Jesus die Verbreitung des Evangeliums. Dornen haben wir in Oberfranken und in Ungarn weniger, aber manche Böden sind gerade hier in Oberfranken durchaus steinig. Da kann es schon sein, dass ein Korn aufgeht, aber nicht wurzeln kann. Wege haben wir natürlich auch, auf denen die Körner nur zertreten werden.
Sie, lieber Bruder Manke, haben Freude am Säen. Das ist nicht nur wichtig, sondern essentiell, denn Freude verleiht Schwung. Der Sämann, den Christus vor Augen hat, arbeitet offensichtlich mit so großem Schwung, sodass auch Körner an Stellen fliegen, von denen er sich eigentlich denken könnte, dass es dort nichts fruchtet. Er ist wohl einer, der lieber drüber raus wirft, als dass da ein Stück Land ohne Samen bliebe.

Säen geschieht nicht nur im Frühling, wenn alle säen. Es gibt sogar die Schneesaat. Der Samen von Birken zum Beispiel wird auf Schnee ausgebracht. Und Wintergetreide wird noch im Oktober gesät.
Säen ist schon eine kleine Wissenschaft für sich und so ist es gut, lieber Bruder Manke, dass Sie für das Säen des Wortes Gottes Theologie studiert haben in Erlangen und Budapest. Das Studium trug dazu bei, zu ermessen, wann es Zeit ist, was und wohin zu säen.
Doch Wissenschaft braucht die Wechselwirkung mit der Erfahrung;  und so ist es nicht minder wichtig, dass Sie beim Säen und Predigen  Erfahrung gewonnen haben – hier in Ebern unter der hervorragenden Anleitung von Pfarrer Grosser und auch schon während des Studiums in Budapest.
Es wird noch viel mehr Erfahrung dazu kommen, die Intuition wird wachsen und das Staunen wird vermutlich auch bei Ihnen immer größer werden: Über das Wunder des Keimens und Wachsens hellgrüner, junger, fester Halme, das Wunder des Glaubens.

Dieses Wunder des Keimens ist ja auch an Ihnen geschehen, in Ihrer Kindheit in der katholischen Kirche und Familie. Eingewurzelt in den Glauben wurden Sie in der evangelischen Gemeinde Nürnberg St. Sebald. Dass sie Turmführer in dieser wunderschönen Kirche waren, Jugendarbeit verantworteten und sich als Jugendmitarbeiter in die Partnerschaft zwischen
St. Sebald und einer ungarischen Gemeinde in Budapest einbrachten, hat zur Festigung Ihres Glaubens beigetragen. Der Halm wurde stark.
Dass Sie aber – um in die andere Bildseite zu springen – Gottes Sämann wurden ist ein eigenes Kapitel. Zunächst hat Gott Ihnen durch die Umwege von einigen Wochen Chemiestudium, kurzer Tätigkeit bei einer Versicherung, einem Praktikum in Budapest, drei Semestern Wirtschaftsmathematik einen weiten Horizont geschenkt. Nachträglich betrachtet, wunderbar. Der Gedanke, dass Sie Pfarrer werden könnten, musste eben auch erst reifen.
Gott hat Sie eigentümlicherweise zum einen beim Säen gerufen, als Sie selbst eine Andacht in St. Sebald hielten und Sie merkten, wie die Menschen hören, wenn Sie reden; sie spürten, dass Boden da ist für den Samen in Ihrer Hand.

Und zum anderen haben Sie selbst Predigten gehört, die in Ihnen keimten. Sie selbst waren Erde, die das Wort aufnahm; und Sie spürten an sich selbst, wie eröffnend Predigten sind. Für Ihren Berufungsweg war beides wichtig: Das Säen des Wortes und das Aufnehmen des Wortes.

Und es wird immer beides bleiben müssen, auch wenn sich die Gewichte durch den Beruf zum Säen verschoben haben. Einerseits sind und bleiben Sie mit Ihrem Leben ganz Sämann. Und doch können und sollen Sie andererseits ganz Acker Gottes sein, in den er säen will. Sie werden selbst Predigten anderer brauchen, die in Ihnen keimen können. Wir sind nicht nur Austeilende, sondern wir müssen auch Empfangende sein. Zu viele Ordinierte empfangen nur noch um wieder auszusähen. Das führt zu ausgebrannter Erde.
Wir müssen selbst auch immer wieder Boden sein, der offen ist, zu empfangen, Erde, in der Gott ackern kann, wie es ihm gefällt.

Liebe Gemeinde und Sie? Dürfen Sie als Nicht–Ordinierte nur Boden sein, der stets nur Körner empfängt? Zunächst: Das ist ja nicht zu verachten. Es hat mich als Gemeindepfarrerin immer berührt, dass da Menschen Sonntag für Sonntag kamen und hören wollten, dankbar waren für Lieder und Gebete und die Predigt aufsaugten, wie ein Schwamm.
Es ist solch ein Segen, wenn Menschen das können: Evangelium empfangen. Bei vielen hat Gott auch erst einige felsige Steine selbst wegtragen müssen, sodass genug fruchtbare, empfangsbereite Erde da war. Aber das hat er getan, gerade auch in den Gottesdiensten selbst. Solche Menschen, die immer wieder da sind im Gottesdienst und bereit sind von Gott Trost und Kritik, Wegweisung und Ermutigung zu erfahren, die sind genau der im Gleichnis gerühmte fruchtbare Boden.

Aber nochmals: sind Nicht–Ordinierte niemals Säende? Doch. Bleiben wir ruhig im Bild: Ordinierte säen auf großen Feldern in aller Öffentlichkeit. Sie sind berufen zur öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung. Doch, liebe Gemeindeglieder, es gibt so viele Gärten, das sind unsere Familien, Freundeskreise, Kollegenkreise. In unseren Gärten sollen wir selbst säen. Dafür braucht man auch kein Studium.
Der Bauer wird nicht in unseren Garten kommen, der Pfarrer nicht in unsere Familie, den Freundeskreis, den Kollegenkreis – nur zu besonderen Anlässen. Denn für unseren Garten, für unser soziales Umfeld sind wir selbst zuständig. Unsere Familien brauchen das Säen des Wortes, sonst verwildern sie wie Gärten: Eine Zeitlang gehen noch Blumen auf, weil noch Samen im Boden ist, doch irgendwann versteppt jedes Beet.
Gehörte die Elterngeneration noch selbstverständlich zur Kirche, so ist das bei den Kindern nicht mehr der Fall. Zu Hause wurde kein Gebet mehr bei Tisch gesprochen und die Bibel ist längst verstaubt. Doch liebe Gemeinde: Auch versteppte Beete können entkrautet und umgegraben werden.
Es gibt wirklich Neuanfänge in Familien: Das Tischgebet wird wieder eingeführt. Ein Familienmitglied beginnt am Morgen das Losungsbüchlein zu lesen. Es wird eine neue Bibel angeschafft, weil die vorhandene reif für´s Museum ist.
Liebe Gemeinde, Gott braucht Sie als Säleute Ihres Gartens. Geben Sie das Säen in Ihrem Garten niemals auf, auch wenn Sie denken, das Unkraut ist stärker. Manches Korn wurzelt doch. Vergessen Sie nicht, der Glaube ist ein Wunder. Und Gott tut Wunder. Sie beginnen still und unmerklich, durch Ihr Gebet für Familienmitglieder, Freunde und Kollegen.

Lieber Bruder Manke! Gott wird Wunder tun durch Sie auf dem Feld der Welt. Säen Sie breit und mit Schwung. Sie sollen es tun, weil Gott Sie dazu ruft, zur Zeit und zur Unzeit und lieber auch auf Wege und Felsen als dass ein Flecklein Acker ohne Wort bleibt.
Heute beruft, segnet und sendet er Sie und sagt: „Ich bin bei Dir alle Tage bis an der Welt Ende“, also gewiss auch in Sopron und wo immer er Sie hinsenden wird. Wer weiß, vielleicht sendet er Sie beide wieder in den Kirchenkreis Bayreuth. Ich würde mich freuen.
Wie auch immer. Gewiss ist: Christus selbst nimmt Sie heute in den Dienst und er schenkt Ihnen den Heiligen Geist. Der gibt den eigentlichen Schwung, und die Freude am Säen – und er selbst wird den Samen aufgehen lassen und Wachstum und Gedeihen schenken. Er wird Wunder tun an Ihnen und durch Sie.
Amen.

Dr. Dorothea Greiner
Regionalbischöfin